Ernährung bei Nierensteinen - Oxalsäure?

Moderatoren: Bigfoot63, Da4nG3L

Forumsregeln
Giftige Pflanzen die hier aufgeführt oder vorgestellt werden, stellen für Tiere die Ad Libitum ernährt werden selten eine Gefahr dar, da sie in der Lage sind zu selektieren und daher immer wissen, was fressbar und genießbar ist und was nicht.

Wie in allen Fällen auch, ist jedes Tier individuell zu betrachten und man sollte neue Pflanzen IMMER langsam anfüttern.
Jedes Tier kann unterschiedliche Dinge auch unterschiedlich vertragen.

Die User sprechen von eigenen Erfahrungen, es liegt an Euch, Eure zu sammeln.
Antworten
Benutzeravatar
Juviena
Planetarier
Planetarier
Beiträge: 3
Registriert: Do 15. Apr 2010, 00:14
Land: Deutschland
Wohnort: Hamburg
Kontaktdaten:

Ernährung bei Nierensteinen - Oxalsäure?

Beitrag von Juviena » Fr 29. Okt 2010, 13:50

Hallo,

ich bin neu hier und habe auch eine Frage zur Ernährung bei Nierensteinen. Meine Tierärztin gehört leider auch zu denen, die nicht so die Ahnung davon haben.

Eine kurze Vorstellung: Ich habe seit Anfang August zwei Kaninchen aus dem Tierheim. Die beiden sind Fundtiere, man weiß also nichts darüber, wie sie vorher gehalten wurden. Sie wurden auf 1-3 Jahre geschätzt. Brownie (m, anscheinend kastriert, Zwergwidder) und Snowy (w, Stehohr-Zwergkaninchen) haben sich erst bei uns kennengelernt und sind inzwischen ein Herz und eine Seele. Leider wurde bei Snowy ca. 3 Wochen nachdem sie bei uns eingezogen ist, ein Nierenstein festgestellt. Sie zeigte Schmerzen (saß oder lag nur noch an einer Stelle und hat sich unruhig immer wieder anders hingelegt) und wollte nicht fressen. Bei der Tierärztin wurde der Stein durch Röntgen diagnostiziert, sie bekam Schmerzmittel, mehr könne man nicht machen. Trotz Schmerzmittel lag sie eine Nacht auf der Wärmflasche, da sie sich kalt anfühlte und leicht zitterte und auf Empfehlung der TA habe ich sie einen Abend/Nacht mit CC zwangsernährt. Am nächsten Morgen fing sie zum Glück wieder an zu fressen. Seitdem hab ich Schmerzmittel zu Hause, falls wieder Schmerzen auftreten sollten. Zum Glück war es seitdem nie wieder so schlimm, nur einmal hab ich ihr was gegeben, als sie so komisch rumlag, aber dann war es direkt wieder ok.

Die TA riet mir, calciumarm zu füttern, damit sich keine weiteren Nierensteine bilden. Ich hab dann sehr viel rumgelesen (auch hier natürlich :)) und erfahren, dass es das Wichtigste ist, dass sie genug Flüssigkeit aufnimmt. Also bin ich von den 150 g Gemüse runter und hab die Gemüsemenge, vor allen die Salatmenge, erhöht, so dass Snowy immer Frisches essen konnte, wenn sie wollte. Sie machte auf mich den Eindruck, dass sie das gar nicht kannte. Anfangs hat sie zum Teil lieber Heu als Frisches gefressen. Das änderte sich zum Glück nach und nach. Brownie hat allerdings solche Riesenmengen an Gemüse gefuttert, dass ich gar nicht mit dem Nachlegen hinterherkam. Ich dachte immer, das kann doch nicht sein, dass der so verfressen ist (kannte nur die 100 g/kg Regel...). Naja, inzwischen hat auch mein Freund eingesehen, dass die Kaninchen den Hauptteil des Kühlschranks für ihr Gemüse belegen... Nachdem ich hier gelesen habe, dass man ruhig auch calciumreichere Sachen verfüttern darf, so lange sie frisch sind, hab ich mich neulich getraut, Möhrenkraut zu füttern und gestern gab es auch etwas Brokkoli. Frage am Rande: Ist das normal, dass meine beiden (wiegen 1,5 bzw. 1,6 kg) ca. 1 kg Gemüse pro Tag verspeisen??

Inzwischen kriegen sie täglich ca. 10 verschiedene Gemüsesorten (meist 1-2 Salatsorten: Raddiccio, Eisberg, Feldsalat, Romana...; mehrere Knollengemüse: Steckrübe, Möhren, Sellerie, Pastinaken...; Kohl: Spitzkohl, Kohlrabi, Wirsing, Rotkohl, Weißkohl, Chinakohl..., Gurke, manchmal etwas Paprika mit Samen (seit ich gelesen hab, dass die gesund sind), Fenchel, Stangensellerie, ab und zu Maiskolben) und 1-2 Handvoll frische Kräuter (meist Basilikum, Melisse, Oregano, Minze). 2-3 mal pro Woche gibt es Zweige. Außerdem bekamen sie Wiese, sofern ich geschafft habe, sie zu pflücken. Seitdem es kühler ist, kriegen sie auch Sämereien.

Snowy war zwischenzeitlich recht dünn, aber inzwischen hat sie zum Glück wieder etwas mehr auf den Rippen - wahrscheinlich auch dank der Sämereien, denke ich. Sie bekommt täglich auf Anraten der Ärztin Allrodin UTI Aid Kn Tabletten. Die kriegt sie zermatscht mit etwas Wasser, Haferflocken und Leinsamen, das liebt sie. :)

Jetzt aber endlich zu meiner eigentlichen Frage: Ich habe gelesen, dass man bei Blasen-/Nierensteinen keine oxalsäurehaltigen Pflanzen füttern soll, weil das Oxalsäure zusammen mit dem Calcium die Steine bilden kann... Dann hab ich gelesen, dass Murx irgendwo geschrieben hatte, dass Kaninchen die Oxalsäure brauchen, um das Calcium regulieren/ausscheiden (?) zu können. Hm... bisher hab ich mich nicht getraut, irgendwas Oxalsäurehaltiges zu füttern (Mangold etc.). Könnte das ggf. sogar schädlich sein (das nicht zu füttern)?

Freue mich auch sonst über Tipps und Anmerkungen!

Viele Grüße
Juviena

Benutzeravatar
Murx Pickwick
Planetarier
Planetarier
Beiträge: 11815
Registriert: Sa 10. Jan 2009, 17:45
Land: Deutschland
Kontaktdaten:

Re: Ernährung bei Nierensteinen - Oxalsäure?

Beitrag von Murx Pickwick » Fr 29. Okt 2010, 14:53

Bei Frischfutter kannst du mit 1/3 des Körpergewichtes an Frischfutter rechnen, wobei das ein Durchschnittswert ist. Du hast ca. 3kg Kaninchen, kannst also mit 1kg Frischfutter am Tag rechnen ... paßt also! :D

Die Ernährung hört sich nach einer optimalen Winterfütterung an, sehr viel besser wirst du das nicht hinbekommen. Schließlich muß Kaninchenfütterung immer auch praktikabel bleiben ...

Die UTI Aid Kn Tabletten fördern übrigens Nierensteine ... nur die Zusammensetzung der Nierensteine ändert sich, was tatsächlich einen Aufschub vor der nächsten OP bewirken kann, weiter bewirkt es nix ...

Ich hatte ja noch vor gar nicht allzulanger Zeit empfohlen gehabt, ja nix Oxalsäurehaltiges zu verfüttern, dennoch hatte schon die Umstellung auf eine Frischkosternährung und das Absetzen von jeglichem Fertigfutter zu einer deutlichen Verbesserung von Urolithiasis bei Kaninchen geführt. Oxalsäure ist also offensichtlich nicht lebensnotwendig, es spricht jedoch viel dafür, daß es die Calciumaufnahmeregelung vereinfacht und damit eben die Heilung von Kaninchen mit Urolithiasis verbessert. Insofern ist es günstiger, auch oxalsäurehaltige Kost zuzufüttern.

Jetzt zur Diät bei Nierensteinen:
- Weglassen aller Fertigkost
- Weglassen aller Suplemente und Futtermittel, welche Cholecalciferol enthalten
- möglichst abwechslungsreiche, wasserreiche Frischkostfütterung
- Anbieten von möglichst unterschiedlichen harntreibenden und nierenschützenden Pflanzenarten
- Anbieten von Pflanzen, die gut gegen Blasenentzündungen wirken

Es ist nicht notwendig, alle Pflanzen in den beiden folgenden Listen zu verfüttern, es geht hier vielmehr darum, daß du dir die Pflanzen herauspickst, die du selbst gut beschaffen kannst ... dabei ist frisch immer besser wie getrocknet, wobei Brennesseln nur von wenigen Kaninchen auch frisch gefuttert werden.
Gut wäre, wenn du insgesamt mind. fünf Pflanzenarten aus beiden Listen anbieten kannst, denn nicht alle Pflanzen aus diesen Listen werden gleichermaßen gern gefressen. Gerade die Früchte außer Apfel bleiben oft liegen. Für den Winter am einfachsten beschaffbar sind meist Lauch, Schnittlauch, Brennesselheu, frische Brombeerblätter und frischer Apfel.
Schau einfach selbst, was du aus diesen Listen überhaupt beschaffen kannst und such dir da dann die Pflanzen raus, welche du einfach beschaffen kannst.

Hilfreiche Pflanzen, welche besser nur frisch verfüttert werden sollten:
- Brombeerblätter
- Himbeerblätter
- Hopfenblätter
- Bärentraubenblätter
- Gänsedisteln samt Wurzeln
- Kratzdisteln samt Wurzeln
- Stachellattich samt Wurzeln
- Disteln samt Wurzeln
- Meerettich samt Wurzel
- Skabiosen
- Bruchkraut
- Brunnenkresse
- Ampferarten
- Berufkraut
- Dill
- Eisenkraut
- Estragon
- Giersch
- Goldrute
- Kerbel
- Klette
- Malven
- Mädesüß
- Holunderblüten
- Hagebutten
- Liebstöckelwurzel
- Wurzelpetersilie
- Queckenwurzel
- Stiefmütterchen und andere Viola-Arten
- kleiner Wiesenknopf
- eventuell auch Bibernellen samt Wurzel
- Wundklee
- Zwiebelgewächse (Zwiebelgrün, Lauch, Schnittlauch und Co)
- Spargel und Spargelschale (ich würd hier zur Spargelzeit im Frühjahr nur die Schale anbieten und den Spargel selbst essen - so beliebt ist Spargel bei Kaninchen nicht, daß man da kiloweise Spargel anbieten kann ... mal ganz davon abgesehen ist Spargel wahnsinnig teuer und von daher schon kein Viehfutter!)
- Alantwurzel
- Apfel

Hilfreiche Pflanzen, welche auch getrocknet verfüttert werden können:
- Birke
- Weide
- Esche
- eventuell auch Schwarzerle
- Brennessel
- Löwenzahnblätter
- Erbsen- und Bohnenstroh/Bohnenschalen
- Gojibeeren
- Cranberry
- Petersiliensamen
- Schachtelhalme/Zinnkraut

Ich glaub, diese Pflanzenliste für Kaninchen müßte sogar halbwegs vollständig sein ... eventuell rauskopieren für die Wikipet, bis wir was Besseres haben?

Benutzeravatar
Juviena
Planetarier
Planetarier
Beiträge: 3
Registriert: Do 15. Apr 2010, 00:14
Land: Deutschland
Wohnort: Hamburg
Kontaktdaten:

Re: Ernährung bei Nierensteinen - Oxalsäure?

Beitrag von Juviena » Fr 29. Okt 2010, 21:46

Vielen lieben Dank!!

Ich denke schon, dass ich von den aufgeführten Pflanzen einiges kriegen kann. Eisenkraut hab ich noch ein bisschen auf dem Balkon (kennen sie auch schon), Giersch wächst ja zur Zeit überall (noch)... Brombeerblätter - bleiben die das ganze Jahr über grün? Kann man bei Hagebutten jede Rosenart nehmen? Zwiebelgewächse hab ich bisher noch gar nicht verfüttert, da bin ich gespannt, ob sie das annehmen. Apfel bekommen sie meist eh täglich.

Benutzeravatar
Murx Pickwick
Planetarier
Planetarier
Beiträge: 11815
Registriert: Sa 10. Jan 2009, 17:45
Land: Deutschland
Kontaktdaten:

Re: Ernährung bei Nierensteinen - Oxalsäure?

Beitrag von Murx Pickwick » Fr 29. Okt 2010, 22:00

Unter den Zwiebelgewächsen wäre Lauch die vielversprechendste Pflanze ... Lauch wird von vielen Kaninchen sogar als Futterpflanze angenommen, die meisten anderen Zwiebelgewächse werden meist nur bei Bedarf und nur in sehr kleinen Mengen gefressen.
Gerade bei den Zwiebelgewächsen braucht es ein wenig, bevor Kaninchen sich dran gewöhnt haben ...

Je abwechslungsreicher du etwas anbieten kannst, desto besser ists natürlich :D

Antworten

Zurück zu „Kaninchen Ernährung“