Beobachtungen zum Geifvogelinstinkt

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saloiv
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Beobachtungen zum Geifvogelinstinkt

Beitrag von saloiv » Di 17. Nov 2009, 20:17

Gestern habe ich die Zwerge reingetrieben (abends ins Nachtgehege) und sie gehen ja wirklich vorbildlich rein. Plötzlich sind sie aber beide ins Gebüsch gesprintet und ich dachte mir "oh ne, jetzt spinnen sie schon wieder". Allerdings spinnen sie äußerst selten, bisher konnte ich immer einen Grund für so ein Verhalten feststellen. Ich habe etwas überlegt und dann festgestellt, dass ja gerade ein Flugzeug übers Haus flog (sieht aus wie ein greifvogel), es war also der Greifvogelreflex, sie haben Schutz nach oben gesucht.
Sunny beispielsweise hat die längste Zeit seines Lebens (die ersten 5 Jahre) nur im Käfig gelebt und trotzdem war er schnell unter dem Baum.

Eine Freundin hat 2 Blaustirnamazonen die normalerweise innen leben aber im Sommer tagsüber in einer Außenvoliere sind. Als ich dort war, flog auch ein Flugzeug über das Haus und die Papageien gingen sofort in Deckung und der, welcher das Flugzeug zu erst sah, machte einen Warnton.

Die Laufenten suchen immer den Himmel ab, sobald sie etwas entdecken was wie ein Greifvogel aussieht, machen sie einen speziellen Ton. Dann gehen sie alle in Deckung. Wenn die Küken mit dabei sind (im Frühjahr) rennen diese auch sofort unter das Trampolin oder ins Gebüsch. Interessanterweise hören auch andere Tiere auf diesen Ton. Wenn die Ente warnt, dann reagieren auch die Tauben!

Dieser Reflex scheint anscheinend wirklich angeboren zu sein...

Habt ihr auch schon beobachtet wie eure Tiere bei Greifvögeln/Flugzeugen reagieren?
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Murx Pickwick
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Re: Beobachtungen zum Geifvogelinstinkt

Beitrag von Murx Pickwick » Mo 23. Nov 2009, 12:11

Wenn Tiere bei mir das erste Mal auf die Weide kamen, war das Fluchtverhalten sehr unspezifisch ... je nach Charakter wurde entweder überhaupt nicht reagiert, oder es wurde selbst auf runterfallende Blätter, Haustürklappern oder ähnliches reagiert ... im Grunde genommen war durch die Warnungen der Neuen regelmäßig die gesamte Weidegesellschaft einschließlich der umliegenden Singvögel gestreßt, einfach weil die Fehlalarme so häufig wurden :D

Jungtiere warnen dagegen nicht, weder Meerschweinchenjunge, noch Vogeljunge noch Kaninchenjunge. Sie verlassen sich auf die Weidegesellschaft oder fliehen grundsätzlich, wie es Kaninchenjunge machen. Sobald auch nur ein Blättchen runterfliegt, sieht man panisch Kaninchenjunge in irgendwelche Verstecke fliehen. Meerschweinchenjunge richten sich hier sehr sehr stark nach ihrer Mutter, wenn die panisch flieht, stürmen eng hinter ihr ihre Jungen nach, trotzdem diese vorher sich teilweise recht weit entfernt haben und ziemlich unbedarft über die Weide stromerten. Singvogeljunge verlassen sich wiederum darauf, einfach still zu sein und sich, wenn sie nicht gerade gefüttert werden, in ihr Nest zu drücken.
Erst der Todesschrei eines Jungtieres versetzt die gesamte Weidegesellschaft in Alarmstimmung ... wenn ich eines der Kaninchenjunge einfing und dieses deshalb in absoluter Todesangst losschrie, war mein gesamtes Grundstück schlagartig tierfrei, selbst der Kater verschwand vorsichtshalber im Haus :lol:

Bei mir kommen deshäufigeren Flugzeuge etc übers Grundstück geflogen - auf der Weide hatten alle Weidetiere, die schon länger da rumgrasten, gelernt, ziemlich genau zu unterscheiden. Ein Flugzeug wurde nicht beachtet, ebenso nicht ein Bussard, der außerhalb der Umzäunung jagte oder Fischreiher.
Sobald jedoch ein für die Tiere unbekannter Greifvogel auftauchte - das konnte sogar ein fremder Bussard sein - war wieder Alarmstimmung angesagt, keiner traute sich mehr, weiter wie wenige Zentimeter von Deckung zu grasen.

Es gab unterschiedliche Warnungen, abgestimmt auf die einzelnen Beutegreifer. Ein Hund, der das Grundstück betrat, wurde ganz anderes angezeigt, wie ein Marder oder ein Greifvogel. Und auch das Feindmeideverhalten der Weidegemeinschaft war darauf abgestimmt. So waren zwar Elstern und Raben keine Gefahr für die Meerschweinchen und Kaninchen, aber sie wurden trotzdem angezeigt - und was Singvogel war, machte mobil zum Hassen.
Marder war ein kurzer, schriller Pfiff der Meerschweinchen, ähnlich dem Futterquieken, jedoch noch schriller und wurde nicht wiederholt - die beiden Killerkaninchen kamen sofort raus auf die Weide und hielten Ausschau nach dem Marder, der Rest brachte sich in Sicherheit. Hat sich der Marder blicken gelassen, wurde er gleich von drei Killerkaninchen niedergemacht. Ich hab da deshäufigeren morgens dann die unappetitlichen Überreste von der Weide entfernen dürfen.
Fuchs war der Meerschweinchenpfiff höher und weniger schrill - trotzdem er weniger gut zu hören war, hat er selbst mich senkrecht im Bett stehen lassen, denn Fuchs hätte einer ganzen Reihe meiner Tiere gefährlich werden können. Ich weiß nicht, wie oft ich aufgrund diesen Pfiffes nur mit Bademantel bewaffnet mitten im Winter nachts im Schnee stand ... die Tiere hatten sich hier auf mich verlassen, so, wie sie sich auch allgemein aufeinander verlassen hatten. Das Warnsystem war lückenlos und perfekt!

Jetzt, unter Stallbedingungen, ist nur noch ein kläglicher Rest von diesem perfekten Warnsystem geblieben ... im Stall muß ganz anders reagiert werden, wenn dort Marder und Co eindringt. Ställe und Volieren sind sogar tendenziell gefährlicher wie offene Weide, welche auf die Weidetiere und ihre Fähigkeiten abgestimmt ist, einfach, wenn ein Marder in einen Stall oder in eine Voliere eindringt, haben die Insassen nicht viel Chancen, auf der Weide jedoch ist eine funktionierende Weidegemeinschaft ein perfekter Schutz, weil sich jeder rechtzeitig nach seiner Art in Sicherheit bringen kann oder den Beutegreifer niedermachen kann.

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