Reittherapie

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Sarrrah
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Reittherapie

Beitrag von Sarrrah » Do 24. Sep 2009, 21:44

Hallo ihr Lieben,

ich arbeite in einem Wohnheim mit geistig- und teilweise auch körperlich Behinderten Menschen. Und vor einigen Monaten habe ich ein Projekt entdeckt, bei dem eine Frau Reitttherapie für einige Bewohner unseres Heimes anbietet. Nach ewigem hin-und her und dies Organisieren, und jene Bescheinugung holen, hatte ich heute mit "meinem" Thomas die erste Therapie-Stunde. Man muss dazu sagen Thomas hat eine Spastik in den Beinen, eine geistige Behinderung und ist gehörlos. Somit gestaltet es sich für die Therapeutin als schwierig sich mit ihm zu verständigen. Deshalb begleite ich ihn nun zu jeder Stunde.

Ich fand es total faszinierend, wie Goldie (die Haflinger-Stute) auf Thomas zugegangen ist und ihn angestupst hat. Thomas war sehr skeptisch und zurückhaltend anfangs. Auch ihn auf das Pferd zu verfrachten war nicht einfach. Aber mit Hilfe einer Rampe gings alles. Als wir dann losliefen merkte man, dass Thomas noch sehr angespannt war. Mit der Zeit aber entspannte er seine Beine immer mehr. Die Therapeutin sagte mir, dass man dies auch daran merkt, wie das Pferd seinen Kopf hält. Sie sagte, je mehr das Pferd seinen Kopf senkt, desto entspannter sei der Reiter. Das schönste an der Stunde war, als Thomas anfing zu grinsen und seinen Kopf nach unten auf den Hals des Pferdes legte!

Es ist faszinierend, wie Menschen, die sich sonst nicht auszudrücken wissen, bei Tieren aufblühen. Ich freue mich schon auf die nächste Stunde.

Habt ihr Erfahrungen mit tierischen Therapeuten? Oder vielleicht schon selbst so etwas mitgemacht? Mich würde interessieren, wie andere auf Tiere reagieren. Vielleicht auch irgendwelche Negativen Dinge?
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Re: Reittherapie

Beitrag von Dani » Do 24. Sep 2009, 22:17

Ich selber habe langer bei der Reittherapie mitgearbeitet und mich viel mit dem Thema beschäftigt. Also erst einmal ist das Reiten auf einem Pferde gerade für behinderte Menschen eine sehr große Bereicherung. Gerade Menschen mit Spastiken können durch die Bewegungen der Pferde, das auf und ab, vor und zurück, sowie die rechts-lienks Bewegungen(entsprechen den Bewegungen des Menschen beim gehen) sehr gut entspannen. Durch die Bewegung der Pferde werden die Spastiken auf wundersame Weise gelöst, was für die Menschen eine enorme Erleichterung bedeutet und es für diesen Moment keine Schmerzen bzw. wenig gibt. Hinzu kommt, das sie sich angenommen fühlen, denn Pferde/Tiere im allgemeinen werten den Menschen nicht, sie schauen nicht, ob der Mensch nun behindert ist oder nicht. Sie nehmen den Menschen so wie er ist.
Auf einem Pferd zu reiten, das kennen viele Reiter ist ein beglückendes Gefühl. Das Pferde strahlt Kraft, Schönheit, Gesundheit, in gewisser Weise auch "Macht" aus. Das überträgt sich auch auf den Menschen. Das Selbstbewusstsein wird gestärkt. Hinzu kommt das Gefühl von Normalität, womit gerade behinderte Menschen immer sehr zu kämpfen haben.
Also eine rundum gelungene Sache!!!!!

Natürlich gibt es auch Menschen die Angst vor Pferden haben und sich patu nicht rantrauen, deshalb bin ich für den Einsatz verschiedener Tierarten.

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Re: Reittherapie

Beitrag von saloiv » Fr 25. Sep 2009, 10:47

Ich habe mit einem solchen Hof eine Zeit lang zusammen gearbeitet und Reittherapien fotografisch begleitet. Desweiteren habe ich dort auch Praktikum gemacht. Das was du schilderst kommt mir daher sehr bekannt vor, das konnte ich auch beobachten. Es gibt sogar Kinder, die dadurch erst aufrechtes Sitzen und später sogar Laufen lernen. Das fand ich grandios.
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Re: Reittherapie

Beitrag von Grashüpfer » Fr 25. Sep 2009, 14:30

Ich habe schon tolle Erfolge gesehen bei demenz erkrankten die in eine Hundetherapie dürfen.

Oft ist bei diesem Personenkreis auch die Feinmotorik eingeschränkt und die Demenzkranken dürfen mit einer Zange ein Leckerlie aus der Dose holen und dann den Hund zu sich rufen. (Die die es noch können, ansonsten ruft der Hundehalter) Der Hund kommt dann, nimmt das Leckerchen und die Personen können den Hund streicheln. Auch werden die Personen oft auf Befehl hin von dem Hund am Arm abgeschleckt. Es geht dabei einzig nur, dass die Demenzkranken sich wieder spüren können und sich je nach Grad der Erkrankung auch wieder öffenen. Gerade was das "sich öffnen" betrifft habe ich schon tolle Erfolge erzielt bzw. beobachtet und man hat für einen kurzen Zeit einen Zugang zu den Menschen.

Richtig tolle Demenzeinrichtungen, (leider hängt Deutschland da total hinter her) aber in Schweden und Dänemark gibt es ganz tolle Projekte wo die Personen einen eigenständigen Haushalt mit Garten führen und in dem Garten befinden sich dann z. B. Ziegen, Kaninchen, Katzen und es macht richtig Spaß zu zusehen, wie die demenzkranken in Gegenwart von Tieren aufblühen. Zumal viele sich dann auch an ihr früheres Leben zurück erinnern können, denn das Langzeitgedächnis funktioniert ja meist noch.

Tiertherapie finde ich absolut eine super tolle Sache, aber nur dann, wenn man sich auf die gesunden Menschen verlassen kann und diese wirklich nach den Tieren sehen, denn für zumindest Hunde ist so eine Therapie ebenfalls sehr anstrengend und der Hund braucht danach einfach seinen Ausgleich und seine Ruhephasen.

In diesem Zusammenhang interessiert es mich wie Pferde damit umgehen? Kann ein Pferd einen Behinderten nach dem anderen tragen, oder braucht das Pferd auch seinen Ausgleich? Ist ein Pferd damit überfordert, wenn es zuviel wird?
"Dass einmal das Wort Tierschutz geschaffen werden musste,
ist eine der blamabelsten Angelegenheiten der menschlichen Entwicklung."

(Theodor Heuss)

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Re: Reittherapie

Beitrag von saloiv » Fr 25. Sep 2009, 14:35

In diesem Zusammenhang interessiert es mich wie Pferde damit umgehen? Kann ein Pferd einen Behinderten nach dem anderen tragen, oder braucht das Pferd auch seinen Ausgleich? Ist ein Pferd damit überfordert, wenn es zuviel wird?
Es sind garnicht alle Pferde dafür geeignet, es werden spezielle Pferde, die charakterlich passen, dafür ausgewählt. Und auch diese brauchen recht viel Pausen, also mehr als 2-3 Patienten schaffen sie eigentlich nicht an einem Tag.
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Re: Reittherapie

Beitrag von Sarrrah » Fr 25. Sep 2009, 17:39

Ja, genau das hat mir die Therapeutin auch gesgat. Als sie angefangen hat, hatte sie 4 Patienten an einem Freitag nachmittag und das war zu viel für das Pferd. Sie meinte, 3 sind okay, aber mehr nicht. Und unsere Therapiestunde ging auch nur 30 Minuten. Je nachdem wie Sowohl Reiter als auch Pferd sich wohlfühlen. Das ist das Gute, wenn wir beide mitlaufen. Sie weiß genau, wann ihre Stute genug hat und nicht mehr möchte und ich erkenne das bei meinem Bewohner. ;)
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Re: Reittherapie

Beitrag von Nightmoon » Sa 26. Sep 2009, 00:09

Ich kann es nur jedem empfehlen, der physische (körperliche) oder auch psychische Probleme hat, eine Reittherapie mit guten Therapiepferden zu machen. Es ist unglaublich, was man, nach einer kurzen Eingewöhnungszeit alles dabei erlebt. Aber auch rein vom körperlichen Aspekt ist die Reittherapie sehr gut, denn es werden Muskelgruppen dabei angesprochen, wo man gar nicht dachte, dass man diese hat. Ebenfalls stärkt es die kleinen inneren Muskulaturen, welche man sie oft nur mit Schwimmtherapien oder manueller Therapie aufbauen kann.
Das grenzenlose Vertrauen, welches das Pferd entgegenbringt, ohne zu fordern ist gewaltig. Vielleicht ist es das, was Menschen dabei glücklicher und zufriedener macht?!
Therapeutisches Reiten ist nie ein "wildes Rumgalloppieren" oder sowas, es wird ruhig und im Schritt geritten, Einige machen dabei auch kleinere Bewegungsübungen, die das Ganze noch unterstreichen.
Ich finde, dass es eine ganz tolle Sache ist, die eigentlich viel mehr Menschen erfahren und erleben sollten.
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Meine süße kleine Tessamaus, ich hab dir immer versprochen, dich nicht leiden zu lassen, ich hoffe Du verzeihst mir.[/align]

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