Umgang des Halters mit der Tiergesundheit

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Re: Umgang des Halters mit der Tiergesundheit

Beitrag von steffi » Do 9. Sep 2010, 01:24

Ziesel hat geschrieben: Wie ist das wenn ihr zum Tierarzt geht ? Seid ihr da ´n bißchen voreingenommen ? Äußert ihr euren Diagnosenverdacht? Fragt ihr danach wenn der Tierarzt was anderes feststellt ?

uih, gefährliches thema, denn merke, ist bei tier- meist nicht anders als bei menschenarzt: sie lassen sich ungern ihre arbeit erklären. ich glaub, das ego eines arztes verträgt es gar überhaupt nicht, vom "unwissenden" patienten/halter über ihre arbeit aufgeklärt zu werden - wenn ihr versteht, was ich meine... :sauer:
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Isa
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Re: Umgang des Halters mit der Tiergesundheit

Beitrag von Isa » Do 9. Sep 2010, 05:19

Ziesel hat geschrieben: Wie ist das wenn ihr zum Tierarzt geht ? Seid ihr da ´n bißchen voreingenommen ? Äußert ihr euren Diagnosenverdacht? Fragt ihr danach wenn der Tierarzt was anderes feststellt ?
Eindeutig ja!!
Schließlich möchte ich für mich alle Eventualitäten abgeklärt haben.

Reagiert ein TA dann gereizt oder sich in seinem Ego gekränkt, ist er nicht der richtige für mich!
Ein TA muss einfach verstehen, dass ich alles wissen möchte, alles abgeklärt haben möchte.
Das hat nix damit zu tun, dass ich ihn anzweifle.
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schweinsnase77
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Re: Umgang des Halters mit der Tiergesundheit

Beitrag von schweinsnase77 » Do 9. Sep 2010, 06:11

Ich seh das ganze wie Murx. Nur noch nicht ganz so in der Umsetzzung :schäm:


Prinzipiell mache ich mir bevor ich zu einem Arzt gehe (egal med oder vet) Gedanken um die Diagnose. Und natürlich möchte ich in diese Richtung ernst genommen werden. Werde ich das nicht will ich zumindets ne plausible Begründung haben, warum der TA anderer Meinung ist. :sauer:

Generell hab ich die Erfahrung gemacht das Ärzte wesentlich mehr Fehler machne, als ich mir in nem Einsatz leisten könnte. :?
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Re: Umgang des Halters mit der Tiergesundheit

Beitrag von Doro » Do 9. Sep 2010, 07:46

Für mich liegen die Fehler oder die Fehldiagnosen der Ärzte oftmals daran dass sie zuwenig Erfahrung am lebenden Tier haben, sprich generell von Kleinnagern. Ich lese immer wieder "mein TA hat sich ja auf Kleintiere spezialisiert". Toll, auf Hunde und Katzen wahrscheinlich, aber eher nicht auf Meerschweinchen etc. Kaninchenhalter gehen m.E. öfter und schneller mit ihren Tieren zum TA wie Meerschweinchenhalter, war zumindest immer in den Praxen so wo wir Patienten waren, schon alleine wegen der Impfungen und vielleicht auch weil Kaninchen doch ein wenig menschenbezogener sind/sein können wie Meerschweinchen. Wenn man sich doch mal so die Leute anschaut die im Internet vertreten sind und die Masse an Tieren, die verkauft wird, sind die Leute die sich kümmern und zum TA gehen doch relativ wenig. Oftmals ist es doch so, der Hamster oder das Meerschweinchen frisst nicht richtig, es fällt aber gar nicht so auf weil doch eben noch viel Trockenfutter gefüttert gefüttert wird. Am anderen Morgen ist das Tier tot und das wars. Leider.
Ich selber habe am Anfang nicht so die Diagnosen hinterfragt, vielleicht auch weil ich damals noch nicht so die Ahnung und Vermutung hatte wie heute. In der Klinik hier sieht es so aus dass verlangt wird die Symptome ganz genau zu schildern, eventuell sogar einen Verdacht zu mitzuliefern weil meine TÄ der Meinung ist niemand sonst wie der Tierhalter selber kann besser beschreiben was an dem Verhalten nicht normal ist.

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Re: Umgang des Halters mit der Tiergesundheit

Beitrag von Murx Pickwick » Do 9. Sep 2010, 09:57

Ich muß ganz ehrlich sagen ... wenn ein TA bei einem humpelnden Meerschweinchen Vitamin C-Mangel diagnostiziert und den Einwand, daß Skorbut anders aussehe, damit hinwegfegt, daß es ja auch nicht Skorbut, sondern Vitamin C Mangel sei, wenn ein TA bei einem Hamster mit offensichtlichen Ohren- oder Kopfschmerzen und leicht schief gehaltenen Kopf E. c. diagnostiziert, wenn ein TA sich die mitgebrachte Kaninchenkotprobe nicht ansieht und abstreitet, daß es Kokzidiose bei Kaninchen gibt, da das ja eine Hühnererkrankung sei ... sry, dann offenbaren sich hier horrende Wissenslücken auf dem eigenen Gebiet! Das ist nicht die mangelnde Erfahrung, das ist einfach nur noch Stümperei!

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Re: Umgang des Halters mit der Tiergesundheit

Beitrag von GastA » Do 9. Sep 2010, 11:16

also, ich bin seit gut 3,5 Jahren "Stammgast" in der Tierklinik hier im Ort und das garantiert nicht, weil ich es (unbewusst) möchte oder nicht. Meine Tiere waren leider wirklich immer krank, angefangen vom Milztumor bei Phoebe, eine Woche, nachdem sie starb, stellte Paige das Fressen wegen einer Wunde im Mund ein, sie musste ein gutes Jahr lang gepäppelt werden, weil sich immer mehr auftat, Zähne, Infektionen usw., bis hin zum Kieferabszess, der sie das Auge "kostete" - und da war nichts von "erfunden", übertrieben oder ähnliches, ich hätte nichts dagegen gehabt, mal zwei, drei Wochen, nicht zum TA zum müssen, geschweige denn, dass ich mir gewünscht hätte, Paige würde endlich mal richtig gesund werden. Sie war bei alldem aber immer rege und munter, trotz allem, sodass man ihr auch alle möglichen Behandlungen ermöglicht hat. Kaum war sie gestorben, war Piper krank - Bronchitis, dann stellte sich ihre Herzinsuffizienz heraus...sie ist am 17.08. gestorben, am 25. habe ich Pina zu uns geholt, und am 26. war ich auch mit ihr schon beim Arzt...Blasenentzündung, Frau TÄ hat sogar ein kleines Steinchen, das schon bis zum "Ausgang" gespült war, rausgedrückt...

und ich glaube nicht, dass ich die einzige bin (das kann glaub ich nicht sein), die solch ein Pech hat. Meiner Ma ging es mit ihren Hasen ähnlich...und einsam oder geltungsbedürftig o.ä. sind wir nicht...

ich gehe zum TA, sobald mir etwas auffällt und ich es nicht in kürzerer Zeit selbst in den Griff bekomme. War auch noch nie "umsonst" beim TA, es war immer irgend etwas und ich habe schon eine Tierärztin, die zum einen auf Kleintiere (und da wirlich auch u.a. auf Schweinchen) spezialisiert ist und sehr genau guckt, nicht von vornherein meine "Theorien" oder die anderer annimmt o.ä.

In Foren schreibe ich zugegebenermaßen auch meist dann, wenn ein Tier krank ist, danach verschwinde ich dann auch mal wieder für ne Zeit lang, aber nicht, weil ich Smileys oder Gute-Besserungs-Wünsche sammle oder brauche :)

bedenklich finde ich im umgekehrten Fall auch, dass viele auch bei ernsteren Erkrankungen sehr schnell mit "Ferndiagnosen" sind und gleich Behandlungsvorschläge geben, die oft dann doch bedenklich sein können. Tipps, was es sein könnte, was man selbst vielleicht dagegen gemacht hat, was man auch mit dem TA absprechen sollte, okay, aber Sachen wie "das müsste X sein, mach mal das und das" finde ich bedenklich, weil einige es dann vielleicht ohne Rücksprache mit nem TA machen und das auch "schief gehen" kann...auch bei mir hat sich im Nachhinein oftmals beim TA was ganz anderes herausgestellt und ich war froh, auf die Vorschläge nicht eingegangen zu sein bzw. sie mit meiner TÄ besprochen zu haben...

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Re: Umgang des Halters mit der Tiergesundheit

Beitrag von Isa » Do 9. Sep 2010, 11:51

Alex hat geschrieben: und ich glaube nicht, dass ich die einzige bin (das kann glaub ich nicht sein), die solch ein Pech hat. Meiner Ma ging es mit ihren Hasen ähnlich...und einsam oder geltungsbedürftig o.ä. sind wir nicht...
Pech haben sicherlich einige Leute.
Aber oft ist es so, dass gerade vom Pech verfolgte Leute keinerlei Tipps annehmen und überhaupt nicht in eine andere Richtung als die von ihnen fahrende denken möchten.
Tipps (damit meine ich keine Ferndiagnosen!!) werden grundsätzlich in den Wind geschlagen und mit um den heißen Brei herumredenden Argumenten nieder geschmettert.
Es wird therapiert, therapiert und therapiert (meist nur die Symptome!).... mit X verschiedenen chemischen Medikamenten, deren Gabe von heute auf morgen gewechselt und / oder abgebrochen wird.
Da braucht sich derjenige dann nicht wundern, wenn der kleine Körper des Tieres irgendwann kapituliert.
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Re: Umgang des Halters mit der Tiergesundheit

Beitrag von steffi » Do 9. Sep 2010, 11:57

leider ist es aber so, daß die "halbgötter in weiß" egotechnisch oftmals gereizt sind, wenn man es wagt, eine diagnosevorschlag in raum zu stellen :autsch:

da es ja bei mir eher reptilien und exoten sind und hier sowieso auf dem "platten" land wohne, wird es nochmal so schwierig. da gibt es den tierarzt, der vor größeren hund angst hat; den viehdoktor, der sich nur mit den "normalen" tieren auskennt (inkl. kuh und pferd); den arzt, der weiß, daß man an toten tieren nix verdient (und statt sinnvoll einzuschläfern sinnlos medis verabreicht); den, der sich als igelkundig ausgibt, aber nur die tele-nummer von einem kundigen kollegen hat :sauer:

und gerade bei reptis ist es meistens so: sieht man, daß was nicht stimmt, dann ist es meistens schon zu spät. :heul:
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Re: Umgang des Halters mit der Tiergesundheit

Beitrag von GastA » Do 9. Sep 2010, 12:24

Isa hat geschrieben: Pech haben sicherlich einige Leute.
Aber oft ist es so, dass gerade vom Pech verfolgte Leute keinerlei Tipps annehmen und überhaupt nicht in eine andere Richtung als die von ihnen fahrende denken möchten.
Tipps (damit meine ich keine Ferndiagnosen!!) werden grundsätzlich in den Wind geschlagen und mit um den heißen Brei herumredenden Argumenten nieder geschmettert.
Es wird therapiert, therapiert und therapiert (meist nur die Symptome!).... mit X verschiedenen chemischen Medikamenten, deren Gabe von heute auf morgen gewechselt und / oder abgebrochen wird.
Da braucht sich derjenige dann nicht wundern, wenn der kleine Körper des Tieres irgendwann kapituliert.
Also, ich nehme jeden Tipp zumindest erst einmal dankbar an. Ob ich ihn dann annehme oder nicht, entscheide ich nach Abwägung und auch Rücksprache mit meiner TÄ, wenn ich Argumente dagegen habe, äußere ich die.

Und - klar wird bei uns therapiert, aber wie schon gesagt, da hab ich ne wirklich gute TÄ, kommt von der TiHo, ist wie gesagt spezialisiert und auch offen für eigene Anregungen, "Diagnose-Vorschläge" usw. Und wenn die Gabe mal gewechselt wird, dann immer mit nem triftigen Grund. Und letztendlich vertrau ich halt auf meine TÄ mehr als auf Tipps (wie gesagt, ich spreche diese ja auch mit meiner TÄ ab) von jemandem, der die Symptomatik nur aufgrund meiner (möglichst schon immer genauen) Beschreibung kennt, denn nur sie hat das Tier auch vor sich und kann auch dessen "Zustand", der ja nicht unwesentlich ist, beurteilen. So wie z.B. den von gestern, meine Payton mit RodiCare zuzufüttern. Auch, wenn ich weiß, dass die meisten hier davon abraten würden. Ich vertrau da halt auf meine TÄ und die Erfahrung. Und sie ist auch so ehrlich und direkt, dass sie mir sagt, wenn ein Tier keine Chance mehr hat, unabhängig davon, ob ne OP evtl. noch Geld in die Klinik-Kasse bringen würde. Sie würde sich glaube ich eher mit mir streiten, wenn ich auf die chancenlose OP bestehen würde.

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Re: Umgang des Halters mit der Tiergesundheit

Beitrag von Miss Marple » Do 9. Sep 2010, 12:57

Ich würde gerne in die Diskussion noch den Begriff "Co-Abhängigkeit" einbringen. Seit einiger Zeit ein anerkanntes Krankheitsbild. https://de.wikipedia.org/wiki/Co-Abh%C3%A4ngigkeit" onclick="window.open(this.href);return false;
Im Grunde sind wir alle mehr oder weniger prädistiniert, wenn wir mit kranken Lebewesen zu tun haben. Die Grenze zwischen uns und dem mehr oder weniger von uns abhängigen Lebewesen zu ziehen ist ein ständiges Trial and Error. Die meisten erkranken, weil es ihnen ohne Freunde und/oder professionelle Hilfe nicht gelingt.
Besonders der Zusammenhang zwischen Opfer und Helfer und unserem Bedürfnis, Probleme zu lösen, macht es sehr vertrackt.

"So kommt es häufig vor, dass Co-Abhängige in Beziehungen zu süchtigen Menschen (sprich kranken Lebewesen) geraten, die sie „retten“ wollen. Dabei sehen sie sich meist als Märtyrer. Nicht selten ketten sie ihr eigenes Schicksal an das eines Anderen, möglichst ein „Verlierer“, mit dem sie dann mit „Wehenden Fahnen“ untergehen können."
Einfügung von mir.

"Gründe können sein, dass der Co-Abhängige damit seine partiellen Minderwertigkeitsgefühle kompensieren oder soziale Anerkennung erhalten will (siehe auch Helfersyndrom). ... Diese „Hilfsbereitschaft“, die auch fatal für beide Seiten enden kann, wird von außen häufig mit Anerkennung gesehen, weshalb der Co-Abhängige häufig seine Rolle bei der Aufrechterhaltung der Abhängigkeit nicht erkennt."

Ich denke, viele Beziehungsprobleme, auch die Beziehungen zu unseren Tieren, können entsprechende Tendenzen bekommen, wenn das eigene Ich zu kurz kommt, warum und wie auch immer. Mittlerweile gibt es unzählige Arbeiten und populäre Bücher zu dem Thema. Al - Anon, EA, ... Bärbel Wardetzki fing im deutschsprachigem Raum glaube ich an, damals in erster Linie bei Menschen mit Eßstörungen als Symptom.

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Re: Umgang des Halters mit der Tiergesundheit

Beitrag von Löwenzahn » Do 9. Sep 2010, 13:34

Etwas ausser acht gelassen wird in der ganzen Diskussion die eigene Erfahrung der einzelnen Tierhalter.

Es gibt etliche erfahrene Tierhalter, die sich nicht nur in Bezug auf Haltung und Fütterung sondern auch in Bezug auf etwaige Krankheiten stets weitergebildet haben und mittlerweile über mehr Erfahrung verfügen als so mancher Tierarzt, was den Umgang mit der Tiergesundheit nunmal nachhaltig beeinflusst.

Ein Anfänger rennt vielleicht noch wegen einer Pilzinfektion zum Tierarzt und stresst sein Tier damit noch mehr. Das versierte Auge hingegen sieht die Pilzinfektion und behandelt sie rechtzeitig mit stressfreien Methoden und gut ist. Das meine ich mit Erfahrung.
Liebe Grüsse, Arletta

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Re: Umgang des Halters mit der Tiergesundheit

Beitrag von Isa » Do 9. Sep 2010, 13:58

Interessanter Einwurf, Antje!
Ich denke auch, dass es einige Tierhalter gibt, die gar nicht mehr "normal leben" können, wenn kein Tier krank ist. :?

@ Arletta: Ja, je mehr man sich selber auskennt, desto kritischer wird man.
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Re: Umgang des Halters mit der Tiergesundheit

Beitrag von halloich » Do 9. Sep 2010, 15:30

Meine Meinung fängt sich langsam an zu ändern bzw. lässt mich doch etwas zwiespältig denken.

Die letzten 4 Jahre hatte ich abgesehen von einmal Haarlingen, einer verstopften Talgdrüse und einer Hornhautverletzung nichts. (bei 7 Meerschweinchen recht übersichtlich)
Ich dachte immer: "was machen die anderen Halter mit Ihren Tieren, die haben ja alle nur kranke Tiere."
Bei Zwangsernähren über einen großen Zeitraum dachte ich immer: "das arme Tier, warum quält man es so, und erlöst es nicht"

Jetzt habe ich in den letzten 9 Wochen 3 Meerschweinchen gehen lassen/gehen lassen müssen (vom 3ten habe ich hier noch nichts berichtet, weiß auch nicht ob ich es tue :schäm:)

Und das 3. Schweinchen lässt meine Meinung ändern.
Mir gehen Gedanken durch den Kopf "Hätte ich mehr tun können? War die Diagnose vom Arzt richtig? Hätte ich auf andere/bessere Diagnosemöglichkeiten bestehen müssen? Wäre ich besser noch zu einem 2. Arzt gegangen"? War meine Vermutung doch richtig? "Könnte das Schweinchen heute noch leben? Habe ich alles richtig gemacht?......"

Ich war kurz davor das Schweinchen zu einem anderen Arzt zu schleppen und weiter zu quälen. Ich hätte vermutlich Unsummen an Geld ausgegeben. Es war halt mein Lieblingsschweinchen. :heul:

Heute mit Abstand von 3 Tagen quälen meine Gedanken mich immer noch. Ein Glück, für das Schweinchen war mein Mann aber rigeroser und hartnäckiger und ihm wurde so einiges erspart.

Jetzt fange ich an Halter zu verstehen die alles tun, auch versuchen unmögliches möglich zu machen und unbewusst ihre Tiere zu quälen.
Und hoffe für die betroffenen Tiere das die Halter auch einen starken Partner an der Seite haben die mal ein Machtwort sprechen.

Was das schreiben im Internet angheht finde ich gut wenn über Krankheiten geschrieben wird.
Man kann sich austauschen, Erfahrungen sammeln.
Leider bekommt man wenig Rückmeldung ob es dem Tier wieder gut geht oder was passiert ist.

Klar, viele dramatisieren, manche schreiben recht emotionslos, mache mit zu vielen emotionen, das liegt aber am naturell der Menschen, genauso wie die Tatsache das viele nur über Krankheiten berichten und nichts über die Haltung oder sonstiger positiver Erfahrungen mitteilen.
Je mehr Erfahrungsberichte es gibt um so genauer kann ich mein Tier beobachten und meine Vermutungen beim Tierazt mitteilen.

"Co-Abhängigkeit" trifft es in vielen Fällen ganz gut.
Danke an miss marpel für den tollen Beitrag
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Re: Umgang des Halters mit der Tiergesundheit

Beitrag von schweinsnase77 » Do 9. Sep 2010, 20:43

Zur Co-Abhängigkeit: Streng genommen ist jedes soziale Wesen Co-abhängig. Es wird wohl niemanden in einer Gruppe/Gesellschaft geben, dem die Reaktion des Restes oder eines Teiles der Gruppe/Gesellschaft egal ist. Sobald es soziale Strukturen gibt gibt es auch Abhängigkeit.

Selbst der selbstbewußteste Mensch wird aus dem Konzept gebracht wenn wildfremde Menschen iirettiert auf ihn reagieren. :lieb:


Aber man tut als Tierhalter guit daran hin und wieder seine Gründe zur Tierhaltung zu hinterfragen.

Ich z.B. halte Tiere, weil ich finde das sie ein gutes Zuhause gebrauchen können. :D
Logo, dass ich das Geld lieber in lecker Grünmampf, als in den nächsten inkomptetenten TA investiere.

Aber für das andere hab ich ja auch meine Uniform :pfeif:
Mit freundlichen Grunzern

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Re: Umgang des Halters mit der Tiergesundheit

Beitrag von Miss Marple » Do 9. Sep 2010, 22:21

schweinsnase77 hat geschrieben:Sobald es soziale Strukturen gibt gibt es auch Abhängigkeit.
Welche von denen machen krank? Das ist die Frage.
schweinsnase77 hat geschrieben:Ich z.B. halte Tiere, weil ich finde das sie ein gutes Zuhause gebrauchen können.
Echt? Derart selbstlos? Ich bin egoistischer. Ich will ein Hobby, lernen, nicht einsam sein, für jemanden sorgen, der mir nicht auf den Wecker geht und den ich nicht 20 Jahre lang am Hacken habe, ich will ein neutrales Gesprächsthema mit Leuten, mit denen ich nicht allzuviel am Hut habe, ich will eine Ausrede, weshalb ich Feierabend nach Hause muss ohne mich wegen Überstunden streiten zu müssen, ich will mich ablenken von Problemen, die eh erst in frühestens 15 Jahren lösbar sein werden, uvm.

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Re: Umgang des Halters mit der Tiergesundheit

Beitrag von schweinsnase77 » Do 9. Sep 2010, 22:30

Miss Marple hat geschrieben:
schweinsnase77 hat geschrieben:Sobald es soziale Strukturen gibt gibt es auch Abhängigkeit.
Welche von denen machen krank? Das ist die Frage.
schweinsnase77 hat geschrieben:Ich z.B. halte Tiere, weil ich finde das sie ein gutes Zuhause gebrauchen können.
Echt? Derart selbstlos? Ich bin egoistischer. Ich will ein Hobby, lernen, nicht einsam sein, für jemanden sorgen, der mir nicht auf den Wecker geht und den ich nicht 20 Jahre lang am Hacken habe, ich will ein neutrales Gesprächsthema mit Leuten, mit denen ich nicht allzuviel am Hut habe, ich will eine Ausrede, weshalb ich Feierabend nach Hause muss ohne mich wegen Überstunden streiten zu müssen, ich will mich ablenken von Problemen, die eh erst in frühestens 15 Jahren lösbar sein werden, uvm.

Na ja wenn dir dein Partner , deine Familie oder deine Arbeitskollegen ständig einreden du bist zu dick, wirst du irgendwann zwangsläufig kritisch vor dem Spiegel stehen....

Krank machen tun im Prinzip alle Abhängigkeiten die uns was bedeuten und die von mehreren angesprochen werden oder auf die einfach reagiert wird.


Na für die anderen schwierigen Aufgaben hab ich entweder die Kinder, meinen Mann oder die Uniform. :yo:
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Re: Umgang des Halters mit der Tiergesundheit

Beitrag von Löwenzahn » Fr 10. Sep 2010, 08:32

Miss Marple hat geschrieben: Echt? Derart selbstlos? Ich bin egoistischer. Ich will ein Hobby, lernen, nicht einsam sein, für jemanden sorgen, der mir nicht auf den Wecker geht und den ich nicht 20 Jahre lang am Hacken habe, ich will ein neutrales Gesprächsthema mit Leuten, mit denen ich nicht allzuviel am Hut habe, ich will eine Ausrede, weshalb ich Feierabend nach Hause muss ohne mich wegen Überstunden streiten zu müssen, ich will mich ablenken von Problemen, die eh erst in frühestens 15 Jahren lösbar sein werden, uvm.
Haargenau. So ist das genau bei mir auch. Ich hab dem nichts hinzuzufügen oder zu relativieren. Auch meine "Hauptproblemlösung" wird erst in etwa 15 Jahren aktuell.

Ich kann auch ehrlich sagen, warum die Wahl auf Meerschweinchen gefallen ist.
Eigentlich hätte ich nämlich viel lieber wieder einen Hund gehabt.
Aber das geht nunmal frühestens in 15 Jahren erst wieder.
So kam ich zu den pflegeleichten, anspruchslosen Meerschweinchen (so die einschlägige Literatur damals...)
Was sich daraus entwickelt hat, konnte ich damals noch nicht erahnen.

Geht es meinen Muigern gut, geht es mir gut.
Dies meine Kurzfassung zum eigentlichen Threadthema.
Liebe Grüsse, Arletta

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Re: Umgang des Halters mit der Tiergesundheit

Beitrag von Isa » Fr 10. Sep 2010, 08:41

Mein eigentlicher Wunsch damals vor über 13 Jahren waren Chinchillas.
Beim Rumstöbern in Zoohandlungen fielen mir aber die Meerschweinchen auf und ich musste sofort an Lilly denken, das kleine Schweinchen meines Bruders, als wir Kinder waren.
Also fiel meine Wahl auf Meerschweinchen. :liebe:
Ich habe es bis heute nicht bereut, obwohl ich natürlich noch gerne Chinchillas und vor allem Rennmäuse hätte.
Aber ich hätte auch gerne Hunde, Lamas und Ziegen. :hehe: :lol:

Warum halte ich Meerschweinchen noch?
Weil ich finde sie haben wunderschöne Gesichter, weil sie obersüße Geräusche von sich geben, weil es mir Spaß macht sie zu umsorgen und, weil sie auch am Tag mehrere Stunden alleine sein können (also nicht auf mich angewiesen sind) wenn ich arbeiten muss.
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Re: Umgang des Halters mit der Tiergesundheit

Beitrag von Doro » Fr 10. Sep 2010, 09:26

Mir ist noch eins in letzter Zeit aufgefallen.
Vor einigen Jahren noch stand man als Tierquäler da wenn man nicht homöopathisch behandelt hat sondern auf die Schulmedizin vertraut hat. Jetzt, wo sich der Wissensstand geändert hat und man wissen sollte dass man vieles mit der homöopathischer Unterstützung und verschiedenen Kräutern wieder in den Griff bekommt ist man auf einmal ein Tierquäler weil man KEIN AB, Bene Bac und Co ins Tier schmeißt.

Bei manchen Usern bekomm ich mittlerweile so dass Gefühl je mehr an Medikamenten gegeben wird desto besser fühlen sie sich, schließlich zeigt das ja dass man sich kümmert. Irgendwie war ich auch mal so, muss ich gestehen. Oftmals glauben andere ja nur dass man beim TA war wenn man die ganze Palette an Medikamenten runterrasseln kann was man bekommen hat.

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Re: Umgang des Halters mit der Tiergesundheit

Beitrag von Murx Pickwick » Fr 10. Sep 2010, 11:25

Bin ich froh, daß ich wenigstens nicht in diese Spirale geraten bin ...
Ich selbst schäme mich, wenn meine Tiere krank werden, irgendwie hab ich dann immer das Gefühl, egal was es ist, es liegt an meiner Haltung und Fütterung.
Oft ist es ja auch so ... nur gibts eben auch Krankheiten, da steckt man leider nicht drin ...

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Re: Umgang des Halters mit der Tiergesundheit

Beitrag von halloich » Fr 10. Sep 2010, 11:31

Murx Pickwick hat geschrieben:Ich selbst schäme mich, wenn meine Tiere krank werden, irgendwie hab ich dann immer das Gefühl, egal was es ist, es liegt an meiner Haltung und Fütterung.
Du sprichst mir aus der Seele
Murx Pickwick hat geschrieben:Oft ist es ja auch so ... nur gibts eben auch Krankheiten, da steckt man leider nicht drin ...
Trotzdem habe ich ein schlechtes Gewissen und denke ich bin Schuld :schäm: und mache mir Gedanken und Vorwürfe
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Re: Umgang des Halters mit der Tiergesundheit

Beitrag von Ziesel » Fr 10. Sep 2010, 12:17

halloich hat geschrieben:Trotzdem habe ich ein schlechtes Gewissen und denke ich bin Schuld :schäm: und mache mir Gedanken und Vorwürfe
Das kenn ich ! Besonders nervt mich, wenn ich nicht weiss was und warum weil ichs dann ja nicht besser machen kann

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Re: Umgang des Halters mit der Tiergesundheit

Beitrag von Murx Pickwick » Fr 10. Sep 2010, 12:42

... und wenn es sich dann auch noch um junge Tiere handelt!
Ich finde, es ist verdammt schwer, damit fertigzuwerden ... weil, vielleicht übersieht man ja doch was ...

Wenn man nicht weiß, woran ein Tier verstarb oder welche Krankheit es hat, wie soll man dann seine Haltung und Fütterung optimieren können?

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Re: Umgang des Halters mit der Tiergesundheit

Beitrag von Isa » Fr 10. Sep 2010, 13:22

Ich denke auch immer sofort dass ich Schuld bin, wenn eines meiner Tiere krank ist. :?

Kann mir gar nicht vorstellen dass sich Leute toll vorkommen wenn sie stolz erzählen wie und wo sie beim TA waren und wieviele Tausend Medikamente sie ihren Tieren rein pumpen.

Was gibt es schöneres als gesunde, glückliche Tiere?

(Wirkliche Ernstfälle, die nicht erst von tottherapierenden Haltern verursacht werden, ausgenommen!)
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Re: Umgang des Halters mit der Tiergesundheit

Beitrag von Ziesel » Fr 10. Sep 2010, 13:41

ja genau..das ist der Punkt Murx !
Manchmal sind da solche Krankengeschichten wie man sie in Foren findet und somit die Erfahrungen anderer Halter hilfreich aber auch wenn man selbst darüber berichtet, bemerkt ein anderer Leser vielleicht was, dass man selbst übersehen hat. Dazu müsste man dann aber gut beobachten und komplett berichten.
Ich lese hier oft schweinische Krankenberichte und kann mir das "Leiden" und die Krankheitsanzeichen immer schlecht vorstellen wenn ich anderseits nur niedliche Fressfotos sehe. . .
Nun hab ich selbst auch 2 Jungtiere verloren, sogar während ich täglich berichtete (incl. Fress-Fotos), weiss aber nicht woran sie gestorben und hab das noch nicht verdaut. Mir sind keine Anzeichen aufgefallen, es gab keine Krankengeschichte und es hat mich auch niemand auf was aufmerksam gemacht

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