Futterverweigerung
Kaninchen und Meerschweinchen neigen dazu in manchen Fällen ihr Futter zu verweigern. Im Gegensatz zu anderen Tieren (die man dann fasten lässt und behandelt, bis sie wieder gesund sind, so wie beim Menschen auch), ist bei diesen Tieren bekannt, dass sie nicht länger hungern sollten, weil sie dann sterben. Es ist zugegebenermaßen mir noch nicht ganz gelungen, diesen Sachverhalt ganz wissenschaftlich nachzuvollziehen. Da fehlen mir noch etwas die Quellen. Daher stelle ich ihn mal nicht in Frage.
Warum verweigert ein Tier sein Futter? Diese Frage ist sehr wichtig und muss als erstes geklärt werden. Aus irgendeinem Grund geht es dem Tier so schlecht, dass es nicht mehr die Nahrung aufnimmt. Ein Grund wäre eine Erkrankung, ein weiterer eine Operation, in der Zeit danach wird oft kaum Nahrung aufgenommen.
Ich habe immer versucht, mich in die Tiere hineinzuversetzen. Wie wäre mein Essverhalten, wenn ich einen aufgeblähten Bauch hätte? Hätte ich Hunger, wenn ich frisch operiert wurde? ...
Ich glaube, ich würde mich ähnlich verhalten, wie das Tier. Mir wäre auch der Appetit vergangen. Das Problem: Ich weiß immernoch nicht, ob Meerschweinchen und Kaninchen wirklich "fasten" dürfen, so wei ein Mensch. Also konnte ich es nicht ausprobieren, zumindest nicht über längere Zeit, denn die Gefahr besteht, dass es wirklich nicht funktioniert.
Ich möchte mal klassische Fälle schildern, die verschiedene Arten der Nahrungsverweigerung zeigen, die ich erlebt habe. Und ich möchte schildern, wie ich damit umgegangen bin.
Beispiel-Fall 1
An erster Stelle möchte ich Picco (Kaninchen) nennen, Picco neigt zu Blähungen und wurde bei der Vorbesitzerin über Jahre falsch ernährt, was zur Folge hatte, dass sie fast schon von jeden Bissen Grünfutter Blähungen bekam. Ich habe ihre Ernährung umgestellt, aber natürlich gab es noch ein paar Blähungen, bis sich die Darmflora und das Fressverhalten eingependelt hatten.
Wenn Picco Blähungen hat, merke ich es morgens wenn ich sie in den Garten lasse (aus dem Nachtgehege). Normalerweise ist sie dann relativ schnell unterwegs. An Tagen mit Blähungen bleibt sie sitzen und schaut etwas geängstigt. Sie verweigert jegliches Futter.
Aber stopp: Nicht jegliches Futter! Man muss nur das Richtige finden! Ich bot ihr alles an, was ich hatte und legte es ihr vor die Nase. Sie entschied sich für den Dill, den sie in riesigen Mengen verputzte. Man muss sich vorstellen: Dieses Tier verweigert die Nahrungsaufnahme, frisst aber plötzlich gigantische Mengen an Dill! Eine halbe Stunde ist sie mit der Aufnahme von Dill beschäftigt und wird sichtlich lebendiger. Vorher sitzt sie nur rum und bewegt sich nicht, jetzt hoppelt sie umher, markiert ihr Revier und macht Streck-Verrenkungen (ich vermute um das Abgehen der Gase zu beschleunigen). Spätestens eine Stunde später sitzt sie wieder auf der Wiese und mümmelt riesige Mengen Grünfutter! Und ab da ist ihr Fressverhalten wieder normal. Ich habe auch andere Dinge ausprobiert.
Zum einen Sab Simplex:
Fazit: Es brauchte 3 Tage bis sie wieder gesund war...
Zum anderen homöopathische Mittel:
Fazit: Hatten die gleiche Wirkung wie der Dill, sie war nach kurzer Zeit wieder fit, aber die Eingabe ist stressiger als wenn ich ihr Dill gebe.
Von solchen Fällen habe ich gelernt, dass viele "Futterverweigerungen" keine allgemeinen Nahrungsverweigerungen sind, sondern das nur bestimmte Nahrungsmittel verweigert werden. Wie sieht es bei mir aus? Esse ich wenn es mir übel ist lieber Schokotorte oder ein normales Essen, oder trinke ich einen Pfefferminztee oder esse etwas Pfefferminze? Ich würde mich für die Pfefferminze oder den Tee entscheiden.
Beispiel-Fall 2
Ich nehme gerade mal den aktuellen Fall, der mich auch veranlasste, hier mal Erfahrungen nieder zu schreiben... Heute morgen bekam ich ein Meerschweinchen das seit Wochen gepäppelt wird. Es hat aufgrund von Ernährung mit Trockenfutter einen Kieferabzess (gehabt) und verweigerte die Nahrungaufnahme. Klar, das muss auch höllisch weh tun mit einer Wunde am Kiefer zu kauen.
Meine erste Reaktion war: Ich muss das finden, was dieses Meerschweinchen frisst (basierend auf Erfahrungen wie Fall 1). Also pflückte ich zick verschiedene Dinge und zwar besonders blattreiche Futtermittel (siehe weitere Erfahrungsfälle) und stapelte das Gehege voll. Man muss dazu wissen, dass die Gruppe aus 4 Tieren besteht. Also habe ich in Kauf genommen, die 3 anderen Tiere abrupt umzustellen, denn Frischfutter ad libitum sind sie nicht gewohnt, eher Trockenfutter ad libitum.
Weitere Beobachtungen ergaben, dass es langsam frisst, aber es frisst.... Bisher Apfel, Karotte, Luzerne, versch. Kohl...
Beispiel-Fall 3
Wieder ein Meerschweinchen, das eines Tages die Nahrungaufnahme einstellte. In dem Fall war mir bekannt warum: Es war an Krebs erkrankt und die Besitzer hatten entschieden es so lange leben zu lassen, wie es fit ist und wenn es Schmerzen hat, es einschläfern zu lassen. Die Futterverweigerung und die allgemeine Körperhaltung zeigten mir, dass es bereit war. Es wurde eingeschläfert und zog über die Regenbogenbrücke.
Beispiel-Fall 4
Ein Meerschweinchen, das operiert wurde. Kurz nach der OP wurde die Nahrungsaufnahme verweigert. Ich bot ihm alles an, was ich da hatte. Nach einem halben Tag fraß es - und zwar Blattgemüse und Wiesenkräuter, aber nichts anderes und noch sehr zaghaft. Es fraß noch 2 wietere Wochen nur diese Futterkomponenten bis es zur normalen Nahrung langsam über ging und auch anderes Gemüse usw. fraß.
Allgemeine Erfahrungwerte nach denen ich vorgehe:
- Immer muss erst die Ursache geklärt werden und das Problem behoben werden! Kein Tier verweigert grundlos die Nahrung. Ist keine Heilung möglich, so muss man das Tier über die Regenbogenbrücke ziehen lassen.
- Ist die Ursache behoben, kann es immernoch Schmerzen haben etc.... Ich lasse die Tiere nach der OP erst einmal mit vielen Futtermitteln alleine und päppel nicht. Nur wenn das Tier über 12 Stunden nichts fressen würde, würde ich ans Päppeln denken.
- Wichtig ist es, das richtige Nahrungmittel zu suchen! Je nach Erkrankung ist es verschieden. Tiere mit Verdauungsproblemen sollten alle Kräuter, die solche Probleme beeinflussen, angeboten bekommen. Sie wählen dann ihr bevorzugtes aus.
- Faustregel: Nach OP´s werden zu erst blättrige Sachen gefressen (Kräuter, Wiesenkräuter, Gemüsegrün...), allerdings meist nur spezielle, daher sollte man möglichst vieles zur Verfügung stellen. Kaninchen sind in dem Punkt etwas wählerischer als Meerschweinchen.
- Ein Tier das die Nahrung verweigert, hat kein Lebenswillen mehr. Den Lebenswillen kann man wieder fördern, indem man ihm die Schmerzen nimmt (Schmerzmittel), die Ursache behebt und ihm ein schönes Umfeld schafft. Möglichst die gewohnt Gruppe (Artgenossen!) und ein schönes Umfeld. Sonne, Wiese... Das alles ist förderlich.
- Wenn man päppelt, sollte man so päppeln, das man das Tier nicht überfüttert und ihm somit noch die Chance gibt, selber zu fressen anzufangen.
- Wenn man päppelt, sollte man gesund päppeln und nicht mit schlechten Päppelpulvern
- Heu und Trockenfutter werden erst nach längerer Zeit wieder gefressen.
Diese Hinweise haben sich aus meinen Erfahrungen ergeben und mit diesen Vorgehen ist Päppeln in den wenigsten Fällen nötig. Und wenn, dann nur sehr kurze Zeit als unterstützende Maßnahme.


