Mythen der Homöopathie

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Isa
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Mythen der Homöopathie

Beitrag von Isa » Mo 9. Mai 2011, 14:31

1. Der wohl größte und weit verbreitetste Mythos ist: „Gleiches mit Gleichem heilen“.

Ein Beispiel: Jemand wurde von einer Biene gestochen und leidet unter den Folgen (Rötung, Schwellung, Brennen, allergische Reaktion,...) und bekommt dann Apis mellifica verabreicht. (Apis mellifica ist die gesamte Biene und ihr Gift.)
Das ist falsch!! Denn der Körper HAT ja bereits die Information des Stichs im Körper und reagiert entsprechend. Wozu dem Körper erneut eine Information geben, die er schon erhalten hat?
(Es wäre vereinfacht das gleiche, wenn Person A einen roten Pullover anhat und von Person B gesagt bekommt: „Du hast einen roten Pullover an“. Person A wird sich (sofern sie nicht farbenblind ist) lediglich „Aha und jetzt?“ denken.

2. Je mehr Globuli ich gleichzeitig einnehme / gebe, desto stärker die Wirkung.

Nicht immer! Die Information, die im Körper ankommt ist die gleiche.

Beispiel: Ob nun eine Person oder mehrere Personen gleichzeitig deutlich sagen „Vorsicht Stufe“..... die Warnung ist die gleiche.

3. Überdosierung ist, wenn man vom Mittel zu viel auf einmal gibt.

Falsch! In der Homöopathie ist eine Überdosierung nicht die Menge der Globuli, sondern die Häufigkeit der Mittelgabe.

4. Homöopathische Mittel kann man auch äußerlich auftragen oder spritzen.

Warum sollte man? Es wirkt oral eingenommen über die Mundschleimhaut innerhalb von 3 Minuten. So schnell wirkt es äußerlich aufgetragen, intravenös oder subkutan gegeben nicht.

5. Man kann homöotpathische Mittel auch prophylaktisch geben.

Nein. Die Homöopathie wirkt dann, wenn sie wirken kann. Vorbeugend hat sie nichts zu bewirken. Es ist ja „nichts zu tun“.

Beispiel: Bevor man mit dem Hund Gassi geht, gibt man ihm das Mittel „Ledum“ gegen Zecken. Das Mittel wirkt nach 3 Minuten im Körper, kann mit der Information nichts anfangen und „verpufft“ wieder. Danach kommt die Zecke auf den Hund und frisst sich genüsslich in die Haut.
Abgesehen davon ist Ledum KEIN Zeckenmittel, wie so oft angenommen wird!

(Es gibt allerdings einige wenige Ausnahmen wie z.B. Arnica.)

6. Niedrigpotenzen kann man als Phytotherapie ansehen.

Die Homöopathie und die Phytotherapie haben ganz unterschiedliche Ausrichtungen der Wirkung und haben beide ganz andere Wirkungsebenen.
Ein homöopathisches Mittel hat IMMER auch eine Wirkung auf der Gefühlsebene; Niedigpotenzen allerdings schwächer als Hochpotenzen.

7. Komplexmittel sind klasse weil sie so viele Mittel enthalten.

Gerade deshalb sind sie es nicht!!

a) Komplexmittel enthalten oft 5 oder 6 Mittel, von denen der Körper überhaupt nicht alle braucht. Sie sind zwar deshalb nicht gleich „gefährlich“ aber warum dem Körper ein Medikament verabreichen, das er gar nicht benötigt?

b) Komplexmittel enthalten 5 oder 6 Mittel, die alle in die selbe Verdünnung und Potenzierung haben; bspw. D6. Jede Verdünnung und Potenzierung wirkt auf einer anderen Ebene im Organismus. (D6 wirkt anders als C30.)
Jetzt kommen da aber im Komplexmittel 6 verschiedene Mittel auf genau der selben Frequenz zu genau der selben Zeit. Und diese 6 verschiedenen Mittel haben den Anspruch, sofort in ihrer Wirkung erhört und umgesetzt zu werden.

Beispiel: Stellt euch vor, vor euch stehen 6 Leute, die euch zeitgleich etwas sagen, was aber jeweils einen unterschiedlichen Inhalt hat. Diese unterschiedlichen Inhalte sollt ihr aber SOFORT und gleichzeitig (innerhalb der 3 min, die ein Homöo wirkt - siehe Punkkt 4-) verstehen und auch umsetzen / erledigen. Wer wäre da nicht überfordert?

8. Antidote sind prima Gegenmittel, wenn ein zuvor gegebenes Homöo in seiner Wirkung neutralisiert, aufgehoben oder umgekehrt werden soll.

Da scheiden sich die Geister! In der klassischen Homöopathie gibt es eigentlich keine Antidote. Homöopathische Mittel geben eine Informaion an den Körper, die recht schnell verarbeitet wird.

Beispiel: Man liest etwas und erhält eine Information. Was könnte man denn „gegenlesen“ damit man das vorige vergisst? Wenn man das vorige vergisst, dann weil es uninteressant war. War es aber interessant, kann man danach lesen was man möchte, deshalb geht das vorige nicht einfach verloren!




Auch hier: Das habe ich alles selber zusammen gestellt aufgrund meiner letzen beiden Unterrichtstage. Es erhebt natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es ist mehr für mich, als Lern- und Merkstütze, woran ich euch gerne teilhaben lassen möchte. Sieht jemand gravierende Fehler, wäre ich sehr sehr dankbar, wenn man mich darauf aufmerksam macht. Fragen werde ich gerne beantworten, sofern es mir möglich ist. Aber man bedenke bitte, ich bin kein Homöopath!! ;)
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schweinsnase77
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Re: Mythen der Homöopathie

Beitrag von schweinsnase77 » Mo 9. Mai 2011, 14:39

Das oral aufgenomme Substanzen schneller wirken als intravenöse ist falsch. Jeder der Mal ne Narkose bekommen oder nen Schmerzmittel bekommen hat, weiß das sie innerhalb von weniger als ner Minute wirkt. :lieb:
Mit freundlichen Grunzern

Annette

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Isa
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Re: Mythen der Homöopathie

Beitrag von Isa » Mo 9. Mai 2011, 14:41

schweinsnase77 hat geschrieben:Das oral aufgenomme Substanzen schneller wirken als intravenöse ist falsch. Jeder der Mal ne Narkose bekommen oder nen Schmerzmittel bekommen hat, weiß das sie innerhalb von weniger als ner Minute wirkt. :lieb:
Angeglich nicht in der Homöopathie! Ein homöopathisches Mittel wirkt immer am schnellsten über die Mundschleimhaut. Samuel Hahnemann testete dies.
Aber danke für den Hinweis, ich forsche nach, warum das bei Homöos so ist. ;)
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Alex
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Re: Mythen der Homöopathie

Beitrag von Alex » Mo 9. Mai 2011, 14:41

Hi Isa,

schön, dass Du uns Infos gibst :)

Natürlich muss die Phytofraktion ein bissi "widersprechen" -

Niedrigpotenzen sind für uns Phytos ein gutes Mittel um Phytos in Tiere zu bekommen, wo wir nicht anders behandeln dürfen wie z.B. Lebensmittel liefernde Tiere und wenn der Patient sonst nicht mitmacht. Oder es anders schlecht verträgt. (Patient Katze z.B.)
Wenn ich Okoubaka D 2 gebe, dann habe ich einen deutlichen Effekt der Wirkstoffe dieser Pflanze.
Auch Crataegus D1 ist für mich ein gutes Phytotherapeutikum bein kleinen Herzpatienten.

Vielleicht wirken sie auch auf Gefühlsebene, aber der Wirkstoff tut hier auch etwas.

Und das ist ja nicht klassische Homöopathie ;)

Komplexmittel sind für klassische Homöopathen der Horror. Verstehe ich auch absolut!!!
Aber sie wirken doch oft unheiimlich gut - darum nehme ich sie. Ich will ja in erster Linie meinem Patienten helfen.
Da gibt es viele, viele Beispiele von grandioser Wirkung.

Ist aber selbstverständlich auch keine klassische Homöpathie!

Für kich ist die wirkliche klassische Homöopathie ein eigenes System, dass man nicht einfach auf irgend etwas anderes übertragen kann. So wie die TCM eben ein System ist.
Es sind abgeschlossene, gut durchdachte und wirkungsvolle Heilsysteme.

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Re: Mythen der Homöopathie

Beitrag von Isa » Mo 9. Mai 2011, 14:53

Alex hat geschrieben: Niedrigpotenzen sind für uns Phytos ein gutes Mittel um Phytos in Tiere zu bekommen, wo wir nicht anders behandeln dürfen wie z.B. Lebensmittel liefernde Tiere und wenn der Patient sonst nicht mitmacht. Oder es anders schlecht verträgt. (Patient Katze z.B.)
Wenn ich Okoubaka D 2 gebe, dann habe ich einen deutlichen Effekt der Wirkstoffe dieser Pflanze.
Auch Crataegus D1 ist für mich ein gutes Phytotherapeutikum bein kleinen Herzpatienten.

Vielleicht wirken sie auch auf Gefühlsebene, aber der Wirkstoff tut hier auch etwas.

Und das ist ja nicht klassische Homöopathie ;)
Stimmt, klassische Homöopathie ist das nicht. Die Homöopathie möchte ja ganzheitlich behandeln. Also nicht nur das Symptom "Durchfall", sondern die Ursache.
Dennoch habe ich persönlich auch schon super tolle Erfolge erzielt mit Crataegus bei einer Lungenentzündung, damit das Herzchen nicht angegriffen wird oder Nux vomica beim Durchfall / bei Blähungen, die in Null Komma Nix verschwunden sind dadurch. ;)
Im Ernstfall kommt es darauf an, schnell Hilfe zu leisten.

Außerdem gibt es auch viele Homöos, die eben NICHT die Pflanze als Urstoff haben, sondern z.B. mineralischen oder tierischen Ursprungs sind. (z.B. die Calcium-Reihe, die Honigbiene, das Schlangengift, etc.)
Alex hat geschrieben: Komplexmittel sind für klassische Homöopathen der Horror. Verstehe ich auch absolut!!!
Aber sie wirken doch oft unheiimlich gut - darum nehme ich sie. Ich will ja in erster Linie meinem Patienten helfen.
Da gibt es viele, viele Beispiele von grandioser Wirkung.

Ist aber selbstverständlich auch keine klassische Homöpathie!
Auch hier gilt natürlich wieder: Schnelle Hilfe im Ernstfall steht an erster Stelle. Habe ich aber die Ursache für ein Problem und habe repertorisiert, welches Mittel am besten hilft, kann ich mit einem Einzelmittel viel höhere und dauerhaftere Erfolge erzielen, als wenn ich mit einem Komplexmittel 5 oder 6 Medikamente in ein Tier "pumpe".
In der Homöopathie gilt: Nicht die Krankheit, das Symptom wird bekämpft, sondern der Patient geheilt.
Im ersten Moment besteht da kein Unterschied; aber es wird mit der Homöopathie versucht, den Gesamtorganismus umzustimmen, bzw. in seinen gesunden Ursprung zurück zu versetzen.
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Re: Mythen der Homöopathie

Beitrag von Isa » Mo 9. Mai 2011, 15:19

@ Alex: Oder Traumeel, die Ampullen. Ich liebe dieses Mittel!! Und es ist ja nix anderes als ein Komplexmittel mit sogar unglaublich vielen verschiedenen Homöos.
Es hat meinem Schlümpfchen damals die Arthrose erleichtert und bei meiner Pü jetzt konnte ich durch Traumeel das Metacam ganz absetzen!
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Re: Mythen der Homöopathie

Beitrag von ClaudiaL » Mo 9. Mai 2011, 15:59

Ich lese unheimlich viel über Traumeel-Gaben. Mal so für mich, bei welchen Beschwerden kann man dieses Mittel gut einsetzen?
Wenn es mir schlecht geht, gehe ich nicht in die Apotheke, sondern zu meinem Buchhändler
(Philippe Djian)

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Re: Mythen der Homöopathie

Beitrag von Isa » Mo 9. Mai 2011, 16:34

Lilly hat geschrieben:Ich lese unheimlich viel über Traumeel-Gaben. Mal so für mich, bei welchen Beschwerden kann man dieses Mittel gut einsetzen?
Ich persönlich habe Erfahrungen mit Traumeel Ampullen bei Gelenkproblemen und auch bei "inneren" Schmerzen.
- Schlümpfchen hatte Arthrose und konnte ihre Hinterbeinchen kaum mehr richtig bewegen. Normales Laufen war sehr beschwerlich, Rampen gingen gar nicht mehr. Ich vermute sie hatte auch ziemliche Schmerzen dabei. Mit Traumeel wurde sie wieder richtig beweglich und agil.
- Pü bekommt jetzt Traumeel Ampullen wegen ihrem Blasengrieß und Schmerz beim Wasser lassen. Sie hat immer gequiekt beim Pieseln und den Rücken rund angespannt. Erst bekam sie Metacam, was super geholfen hat. Das wollte ich ihr aber nicht über einen zu langen Zeitraum geben und hab es dann nach und nach durch Traumeel "ersetzt". Pü ist nun super entspannt, das Traumeel scheint den Schmerz gänzlich zu nehmen.
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Re: Mythen der Homöopathie

Beitrag von ClaudiaL » Mo 9. Mai 2011, 16:39

Könnte man das evtl. auch bei Zahngeschichten einsetzen oder ist es da einfach das falsche Mittelchen?
Wenn es mir schlecht geht, gehe ich nicht in die Apotheke, sondern zu meinem Buchhändler
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Re: Mythen der Homöopathie

Beitrag von Kirja » Mo 9. Mai 2011, 16:43

Maxi, mein Zahnschweinchen, bekommt, wenn er wieder Schmerzanzeichen hat, Traumeel Tabletten (momentan 2 am Tag). Mit denen geht es ihm dann immer wieder sehr gut, sodass er seit Ewigkeiten kein "richtiges" Schmerzmittel (Metacam etc.) nehmen musste. :lieb:
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“The way to belief is short and easy, the way to knowledge is long and hard.” Ernst Stuhlinger (1913–2008), deutscher Raketenforscher

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Re: Mythen der Homöopathie

Beitrag von ClaudiaL » Mo 9. Mai 2011, 17:23

Ich werde da mal meine TÄin drauf ansprechen, denn Rosi hat nach dem Zähne machen immer die ersten 2-3 Tage etwas Probleme.
Wenn es mir schlecht geht, gehe ich nicht in die Apotheke, sondern zu meinem Buchhändler
(Philippe Djian)

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