Überlegungen zur Weidenhaltung

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Überlegungen zur Weidenhaltung

Beitrag von Sasse » Sa 5. Okt 2013, 12:47

Guten Tag
Ich überleg im Moment, wie ich meine Haltung zeitsparender machen kann.
Ich bin am Wochenende öfters erst gegen Mittag daheim, hab lang Schule.
Auf meine Schwester ist nicht wirklich Verlass, was das Füttern angeht und meine Eltern haben so viel zu tun, dass sie oft schlicht nicht dran denken. Ist mehr ärgerlich, als schlimm, weil Wiese ja eh ad lib gefüttert wird.
Im Winter mit dem Gemüse ist die Fütterung auch kein Ding, da gibts Gemüse, des besorgt meine Mom, und notfalls kann ich ein paar Portionen vorbereiten, die ich dann nur schnell in den Kaltstall bring.
Aber das Wiese holen beansprucht einfach Zeit. Zeit, die ich besser für den Hund nutzen könnte, wenn ich für die Meerschweinchen quasi nur noch des "Nachthupferl" besorgen müsste (könnt ich ja notfalls auch im Garten holen).

Die Überlegung ist einfach, ob eine Weide weniger Zeit beansprucht. So ganz sicher bin ich da nämlich nicht. Die Wiese muss ja auch gepflegt, der Zaun kontrolliert werden.
Andererseits sieht die Fütterung dann ja so aus: frühs Tor auf, abends dann bissi Gras/Gemüse als Nachtfutter ins Gehege, Tiere notfalls reintreiben, Tor zu, fertig.
Misten dann hoffentlich nur noch die Hütte, vllt 1-2mal die Woche die Höhle im Gehege (Lieblingsplatz neben der Hütte).
Zumindest hoff ich das so...

Platz wäre ca 40-50m². Für 3-4 Tiere.
Vielleicht kann mir jemand mit Weidehaltung weiterhelfen?
Sind meine Vorstellungen realistisch? Reicht der Platz als einzige Futterquelle?
Ist das wirklich weniger Arbeit, als ca8m² misten und ad lib Wiese anschaffen?

Liebe Grüße

(PS: Sind alles vorüberlegungen, ob es überhaupt sinnvoll ist, meine Eltern zu fragen)


Die mit den unnafrängischen Tieren ;)

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Re: Überlegungen zur Weidenhaltung

Beitrag von Murx Pickwick » Sa 5. Okt 2013, 13:34

Ich hatte nicht viel Arbeit mit der Weidehaltung ... allerdings müssen für Meerschweinchen ein paar Grundbedingungen erfüllt sein:
1. Verstecke und deckungsreiche Wege zu den Weideplätzen sind ein Muß, wenn man selbst nicht auf die Meerschweinchen aufpassen kann (bei meiner Männergruppe war das oft nicht gegeben, aber die hatten Kaninchen mit auf der Weide, welche auf die Meerschweinchen aufpaßten. Durch diese Weidegemeinschaft konnten die Männermeerschweinchen auch draußen bleiben, ohne daß ich sie einsperren mußte).
2. Entweder hat man extrem viel Weide, so daß die Wiese trotz Meerschweinchen schön hoch wächst, oder aber man muß Teile der Weide immer wieder vor den gefräßigen schwarzen Löchern zum Nachwachsen schützen, Meerschweinchen weiden eine Weide bis auf die Graswurzeln ab! So verschwinden schnell wertvolle Gräser und Kräuter.
3. Die Meerschweinchen sollten über Nacht in einem sicheren, von außen für Beutegreifer nicht einsehbaren Stall übernachten. Wenn die Gruppe draußen überrascht wird, wird das ranghöchste Tier der Gruppe sich dem Beutegreifer stellen und so das Entkommen der übrigen Gruppe sicherstellen - allerdings überlebt das ranghöchste Tier diese Selbstmordaktion definitiv nicht!

Für 3kg Meerschweinchen brauchst du ca. 21qm, damit die Weide nicht bis auf die Wurzeln runtergefressen wird (wenn ich mich nicht verrechnet hab), 40 - 50qm sollten also für 4 Meerschweinchen ausreichen, bei 50qm hast du eher das Problem, daß die Wiese zu hoch wird und anfängt zu verholzen, mußt also entsprechend regelmäßiges Sensen einrechnen.
Durch eine geschickte Bepflanzung mit hochwerdenden Gräsern (Pampasgras, Bambusarten etc, bei den Ziergräsern wirst du vieles Geeignetes finden) könntest du relativ leicht die geforderte Deckung hinbekommen, bei 40 - 50qm lohnt es sich sogar, ein paar Quadratmeter mit einer Kräutermischung zu besäen.

Wichtig ist die Weidepflege - mind. einmal im Jahr sollte ein Teil der Weide niedergesenst werden, damit sie nicht verbuscht. Alles auf einmal niederzusensen macht jedoch nicht viel Sinn, da dann die Deckung für die Meerschweinchen fehlt. Brennessel, Brombeerbüsche und Ackerkratzdistel müssen rechtzeitig gejätet werden, bevor sie sich zu Monokulturen entwickeln. Unsere verwöhnten Meerschweinchen weigern sich nämlich meist, Brennesseln und Ackerkratzdisteln kurzzuhalten und Brombeerbüsche sind für sie geniale Verstecke und Ruheplätze - leider verbreitet sich die Brombeere auch sehr schnell auf der Weide, dann hast du 40qm Brombeerfeld und siehst deine Schweinerei nicht mehr wieder, weil die dir unter den Brombeeren ne lange Nase zeigen :D.

An Arbeitsstunden hatte ich mir abends bis zu einer Stunde Zeit genommen, die Weibermeerschweinchen in ihr Nachtlager zu locken, einmal die Woche mußte das Nachtlager gründlich gereinigt werden (was teilweise mehrere Stunden in Anspruch nahm), da die Böcke zusammen mit den Kaninchen die Weide relativ schnell abgefräßt hatten, mußte ich einmal im Monat den Zaun versetzen.
Gefüttert hatte ich meist Abends, vor allem, um die Weiber in den Nachtstall zu bekommen ... im Winter hatte ich zwei- bis dreimal gefüttert und häufiger saubergemacht, damit die kleinen Krummbeiner garantiert trockene Rückzugsplätze hatten (die Böcke hatten allerdings oft im Kaninchenhaufen geschlafen, vor allem bei Schmuddelwetter oder bevorzugten es, unter den Häuschen auf dem kalten und feuchten Boden zu übernachten.)



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Re: Überlegungen zur Weidenhaltung

Beitrag von Sasse » Di 8. Okt 2013, 10:05

Die weide wäre dann direkt am jetzigen Gehege, mit einem tor verbunden. Muss ich das Gehege dann blickdicht machen? Im sommer schlafen die Tiere ja oft draußen.
Mir ist noch ein Problem aufgefallen. Da muss hin und wieder n Traktor durch. Und dann ist die Wiese hin, oder?
Dann muss ich nachsäen oder?

Also bezieht sich im Sommer die Arbeitszeit auf meeris ins nachtgehege bekommen, hin und wieder zaun durchchecken und ca einmal die woche schlaf platz sauber machen?
Und je kälter es wird, desto mehr mistaufwand?

Klingt eigentlich echt ganz gut...

Und weil wir gerade dabei sind, wie hast du im Winter gefüttert?
Die Frage stell ich aber auch an alle anderen, die das lesen.
Ich weiß nämlich noch nicht, wie ich das anstell.


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Re: Überlegungen zur Weidenhaltung

Beitrag von Murx Pickwick » Di 8. Okt 2013, 10:56

Was blickdicht sein sollte, das gilt aber grundsätzlich bei Draußenhaltung, das ist der Schlafplatz ...
Wenn Beutegreifer nicht wissen, daß da leckere Leckerbissen im Gehege sind, dann kümmern sie sich auch nicht drum - wenn sie aber herausfinden, da übernachten superleckere, leicht zu fangende Snacks, werden sie versuchen einzubrechen ... und je länger sie das probieren, desto wahrscheinlicher wird ein Einbruch.
Und es ist einfach so - unsere Meerschweinchen sind in der Natur nix anderes wie leckere Snacks ...

Wenn der Traktor nur hin und wieder durchfährt, ist das kein Problem, die empfindlicheren Pflanzen überleben zwischen den Reifenspuren, in den Reifenspuren siedeln sich trittfeste Pflanzen an, wie beispielsweise Breitwegerich. Der schlimmere Pflanzenvernichter sind deine Meerschweinchen selbst - da kann es dir tatsächlich passieren, daß die einzelne Pflanzenarten endgültig ausrotten, so daß sie nachgesät werden müssen.
Wenn du hohe Ziergräser anpflanzen willst, mußt du halt schauen, daß du die so ansiedelst, daß der Traktor da friedlich durchfahren kann, ohne behindert zu werden ... so ein fast 3m hoher Bambuswald wird bestimmt nicht auf Gegenliebe beim Traktorfahrer stoßen. :D
Also bezieht sich im Sommer die Arbeitszeit auf meeris ins nachtgehege bekommen, hin und wieder zaun durchchecken und ca einmal die woche schlaf platz sauber machen?
Und je kälter es wird, desto mehr mistaufwand?
Zaun sollte möglichst täglich durchgecheckt werden, vor allem, ob er noch dicht direkt über dem Boden ist - einige Meerschweinchen sind Meister darin, sich zwischen Zaun und Boden durchzudrücken, bei mir wurden dabei teilweise die Zaunelemente von den Meerschweinchen hochgedrückt! Und die Zaunelementewaren nicht gerade leicht ... ich hab das mit dem Zaundurchchecken manchmal einfach zu locker genommen.
Ansonsten - jap ... so etwa ...

Ach ja ... noch eine Sache hätte ich fast vergessen ... wenn du siehst, daß irgendein Greifvogel auffällig über dem Meerschweinchenweidegebiet kreist - Meerschweinchen besser drinlassen oder nur unter Beobachtung rauslassen. Normalerweise bringen sich die Meerschweinchen bei kreisenden Greifvögeln zwar in Sicherheit, aber ein Restrisiko ist eben immer gegeben - und das kann man halt auch weitestgehend ausschließen, wenn man die Greifvögel ein wenig beobachtet und entsprechend reagiert.

Zur Winterfütterung wurde halt Heu täglich aufgeschüttet (ist ja auch schon notwendig, damit es die Meeris auf ihren Ruheplätzen dann schön mollig warm haben), ansonsten gabs viel Kohl, rote Beete, rohe Kartoffeln, Wurzelgemüse, Kürbis einfach, weil ich da gut rankam. Dazu gabs Restegemüse und Resteobst von einem Bioladen und einem Biorestaurant. Zu der Zeit hatte ich dann auch nach und nach mit der Verfütterung von Nadelgehölz angefangen - halte ich inzwischen für absolut notwendig, wenn man so viel eher Ungeeigneteres verfüttert, wie ich damals.
Besser wäre es, wenn man frischgeschnittenen Bambus und sowas halt verfüttern kann ... aber damals kannte ich noch niemanden, der froh war, seinen Bambuswald im Winter gelichtet zu bekommen (Ich wußte nicht mal, daß man Bambus ohne Probleme verfüttern kann).

Ich hatte das Gemüse auf der Weide verteilt und nur bei den Weibern innerhalb des Nachtgeheges verteilt - würde ich inzwischen auch nicht mehr so machen, einfach weil das Gemüse und Obst schneller verdreckt und einfriert im Winter - besser ist, im geschützten Bereich zu füttern. Hier wirst du jedoch selbst ein wenig ausprobieren müssen.

Noch eine Sache zum Einfrieren ... die Futterauswahl wird da sehr schnell recht klein, einfach weil einfrierender Salat beim Auftauen matscht und für Meerschweinchen ungenießbar, eventuell sogar ungesund wird. Ebenso ergeht es den meisten Früchten und vielen weiteren Gemüsesorten.
Als geeignet haben sich bei mir Kohl, Wurzelgemüse und, wenn es nicht zu stark frostet, auch Äpfel und Kürbis herausgestellt. Ungeschnittenes Gemüse hält sich bei Frost länger, ohne einzufrieren, wie kleingeschnippeltes Gemüse.
Da die Meerschweinchen von sich aus weniger Frisches futtern, muß unbedingt sichergestellt sein, daß einwandfreies, sauberes, qualitativ hochwertiges Heu zur Verfügung steht - und das so viel, daß es nicht ausgehen kann, selbst wenn die Krummbeiner ne Heufreßattacke bekommen.
Wenn nicht genügend Heu zur Verfügung steht im Winter bei dieser Gemüsekost, kommt es relativ schnell zu Verdauungsproblemen oder Gewichtsverlust.

Wenn das Wasser einfror, hatte ich oft morgens und abends jeweils frisches, warmes Wasser rausgestellt, was dann gerade von den Meerschweinchen gerne angenommen wurde. Die Kaninchen gingen da nicht bei ... die winterliche Wasserverfügbarkeit scheint für Meerschweinchen extrem wichtig zu sein, wichtiger wie für Kaninchen.



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Re: Überlegungen zur Weidenhaltung

Beitrag von Sasse » Di 8. Okt 2013, 14:07

Okay.
Zusammengefasst: - weidegröße ist gut, wenn nicht sogar arg groß.
- weidezaun täglich kontrollieren, v.a. auf Lücken am Boden
- dafür sorgen, dass die schlafplätze nicht einsehbar sind
- schlafplätze im Sommer einmal wöchentlich, im Winter alle drei tage (wahrscheinlich. Kommt auf die Schweine an)
- auf greifvögel achten (wie sieht es mit Elstern aus?)
- im Winter heu ohne ende (is ja klar) und nadelgehölz, bambus, kohl, wurzelgemüse, wenn mgl Apfel und Kürbis als hauptfutter.

Auf schnee laufen ist okay?


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Re: Überlegungen zur Weidenhaltung

Beitrag von Murx Pickwick » Di 8. Okt 2013, 14:57

Elstern sind ungefährlich - es sei denn, du hast ganz junge Meerschweinchen, bei denen leg ich nicht die Hand ins Feuer. Bei mir waren sogar zwei Kolkraben regelmäßig auf der Weide, auch sie stellten für die ausgewachsenen Meerschweinchen keine Gefahr dar. Bei Jungkaninchen und Babymeerschweinchen war ich mir allerdings nicht so sicher, da hatte ich die beiden schwarzen Gesellen lieber verjagt, wenn Jungtiere auf der Weide waren.

Auf Schnee laufen ist ok, tiefen Schnee mochten meine Meerschweinchen nicht so gern. Die haben dann lieber gewartet, bis die Kaninchen ihnen den Schnee plattgetrampelt haben.

Grundsätzlich heißt es im Winter, lieber einmal zu oft, wie einmal zu wenig reinigen - trockene, mit saugfähiger Einstreu und viel Heu ausstaffierte Ruheplätze sind einfach ein Muß, sind die Ruheplätze feucht, werden Blasenentzündungen und Schnupfen wahrscheinlich. Da Meerschweinchen sehr viel pullern, kann es dir also durchaus passieren, daß du im Winter täglich saubermachen mußt, vor allem, da die Meerschweinchen sich vermutlich mehr in den Ruhezonen aufhalten werden (bei mir war das im Winter sehr unterschiedlich, mal konnte ich mir vier, fünf Tage Zeit lassen, dann wieder mußte ich die Weibermeerschweinchen täglich saubermachen) - mußt du einfach beobachten.
Ich denke, es kommt auch auf den Platz drauf an, den deine Meerschweinchen im Nachtbereich haben ... bei mir hatten die Weibermeerschweinchen ja nur schätzungsweise 1qm ausgestreute und mit Heu eingedeckte Fläche plus halt vielleicht 4qm normalen Erdboden als Zugang und "Vorhof", wenn sie da in ihren Hütten geschlafen hatten, waren die natürlich bei acht Weibermeerschweinchen vollgepullert bis oben hin.

Die Böcke dagegen hatten ihre Häuschen nur als so eine Art Heuraufe benutzt - da brauchte ich dann nur Heu nachzulegen. War natürlich sehr praktisch :D



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Re: Überlegungen zur Weidenhaltung

Beitrag von Sasse » Di 8. Okt 2013, 20:20

Ja gut, das mit dem Wintermisten seh ich dann ja. Ist ja nicht mein erster Winter draußen. :)
Und wenn Elstern kein Problem sind, ist gut. Sonst seh ich hier nämlich nur tauben, Spatzen und Meißen regelmäßig.
Und wies mitm Schnee ist, seh ich nächsten Winter. Vor Frühjahr kann ich ja eh keine weide anlegen.

Danke murx! Du hast mir echt viel geholfen


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