Kaninchen attackiert beim Füttern

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Murx Pickwick
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Re: Kaninchen attackiert beim Füttern

Beitrag von Murx Pickwick » Sa 21. Jun 2014, 13:36

Kaut ein Kaninchen, welches Angst vor einem hat, an einer ihm hingehaltenen Möhre rum?
Machen sie das auch, wenn sie Angst vor einem haben?
Ja, viele Kaninchen knabbern auch an hingehaltenen Möhren, wenn sie Angst haben ... sie testen sehr stark aus, was geht und was nicht geht und einigen Kaninchen ist ihre Sicherheit wichtiger, wie das Austesten der Sicherheit von Futterquellen, anderen ist es wichtiger, die Futterquellen auszutesten und herauszufinden, wo dort die Gefahren wirklich liegen, um auch gefährliche Futterquellen nutzen zu können.
Weil das so ist (und nicht nur bei Kaninchen), kann man Tiere durch Füttern zähmen ... ihnen also die Angst vor einem selbst nehmen. Sie lernen die Gefahr Mensch mit Futtergabe so einzuschätzen, daß sie wissen, daß der Mensch nicht gleich zuschnappt und festhält, wenn sie dem Menschen Futter klauen.

Übrigens ist das auch ein häufiges Mißverständnis zwischen Mensch und anderen Tierarten ... der Mensch glaubt, daß er sich mit Bestechungsgeld die Freundschaft anderer Tierarten erkaufen kann - dabei gewöhnt er jedoch den anderen Tierarten, welche das Füttern aus der Hand als Gnade und Bestechungsgeld gar nicht kennen, nur ungehobeltes, unhöfliches Verhalten an.
Beim Kaninchen geht das noch ... es gibt zwar Kaninchen, die derartig unhöflich werden, daß sie nun auf ihr vermeintliches Recht, Futter zu bekommen, bestehen und dieses Recht mit ihren Zähnen einfordern, wenn Futter nicht sofort für sie erreichbar wird, wenn Mensch in den Stall kommt, aber das wird normalerweise nicht lebensgefährlich.
Übrigens - wer sich ein solches Kaninchen herangezogen hat, wird mit Gewalt nix erreichen können, denn entweder geht das Kaninchen davon aus, die Futterquelle Mensch ist kaputt, und repariert den Menschen solange mit Krallen und Zähnen, bis Mensch wieder wie gewünscht als Futterquelle funktioniert, oder aber das Kaninchen wird derartig verschreckt, daß die sichere Futterquelle sich plötzlich als Falle herausstellt, daß es tatsächlich schlagartig scheu wird ... das könnte bei saloivs Kaninchen der Fall gewesen sein, Reaktion auf den Nasenstüper würde dafür passen. Die gesamte Situation ist also überhaupt nicht mit dem Fall eines revierverteidigenden Kaninchens zu vergleichen!

Insofern ist auch die äffische Ansicht, die fütternde Hand beißt man nicht, eine gänzlich unverständliche für die meisten anderen Tierarten ... sowas verstehen eigentlich nur Affen und Hunde (wobei ich mir bei den Hunden nicht mal sicher bin). In dem Augenblick, wo der Mensch anfängt, andere Tierarten aus der Hand zu füttern, erzieht er diese anderen Tierarten zu Unhöflichkeit und macht sie zu gelernten Dieben!
Ich meine, welch ein Kaninchen würde Mundraub von einem schwächeren Mitglied der Weidegemeinschaft auch nur ansatzweise dulden? - Selbst meine Kaninchen hätten die Meerschweinchenböcke auf der Weide ordentlich vermöbelt für den ständigen Mundraub, wenn sie gekonnt hätten - aber sie fühlten sich als Einzelkämpfer den in der Gemeinschaft agierenden Meerschweinchen hoffnungslos unterlegen und wichen den Meerschweinchen deshalb lieber aus.

Oder schonmal ne Katz gesehen, welche die benachbarte ausgewachsene Katzschaft mitfüttert? - Da hab ich bislang nur Katzen gesehen, die ihre eigenen, noch nicht selbstständigen Jungen füttert ... und selbst die Jungen werden gewöhnlicherweise nicht mehr gefüttert, sondern verjagt, wenn sie endlich selbstständig sind!

Es gibt einige Tierarten, da wird dieses Mißverständnis fatal ... beispielsweise bei Wildschweinen und Bären ... die sorgen dafür, daß eine unsicher gewordene Futterquelle wieder gesichert wird und schauen äußerst gründlich nach, ob die Futterquelle wirklich leer ist - sprichweg, wer dem Wildschwein nicht wie gewohnt die Tüte vorm Rüssel ausschüttet, der wird vom Wildschwein auseinandergenommen, bis das Wildschwein das erwartete Futter findet ... tja, die Futterquelle ist danach krankenhausreif!

Ein Kaninchen, was sein Revier gegenüber anderen Arten verteidigt, verhält sich übrigens auch nicht mehr höflich und respektvoll, sondern selbst aus Sicht von Kaninchen respektlos gegenüber den Nichtkaninchen, die es da aus dem Revier versucht zu vertreiben! Respektloses, unhöfliches Verhalten wird jedoch grundsätzlich nur dann geduldet, wenn es aufgrund des Kräfteverhältnisses geduldet werden muß ... kurzum, der Mensch, der diese gegenüber ihn selbst respektlose Revierverteidigung des Kaninchens duldet, ist demzufolge schwächer wie Kanin ... mit weitreichenden Folgen, denn Kaninchen sind keine Sozialarbeiter.
Übrigens hat so ein Verhalten auch weitreichende, meist fatale Folgen, wenn ein Kaninchen der Meinung ist, ausgerechnet Füchse aus ihrem Revier zu vertreiben ... Füchse fackeln da meist nicht sehr lange, die wissen nämlich ihrerseits recht gut über das tatsächliche Kräfteverhältnis von Kanin zu Fuchs und verspeisen den Aggressor einfach.

Eigentlich wäre die Lösung des Problems auch gewaltfrei kein Thema ... mensch läßt sich einfach nicht mehr im Revier des Kaninchens blicken und alle sind zufrieden ... in der Tierhaltung nennt man sowas dann gesicherte Haltung, gefüttert wird von außen durch Klappen oder ähnliches, ohne mit dem Tier in Kontakt zu treten, zum Säubern der Stallanlagen werden die Gefangenen weggesperrt, bis alles wieder sauber ist und dann erst wieder in Stall und Auslauf gelassen. Muß der TA ran, werden die Gefangenen per Blaßrohr oder ähnlichem sediert.



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Re: Kaninchen attackiert beim Füttern

Beitrag von Hasilein » Sa 21. Jun 2014, 13:54

Swantje hat sich doch nur verteidigt, und das im Affekt. Lulu hat wohl verstanden, daß Swantje stärker ist als sie selber. So liegt wohl keine Krankheit vor, und der normale Vorgang hat gefruchtet, also die Affekthandlung.

Würde Lulu weiterhin aggressiv bleiben, würde Swantje sicherlich nicht auf sie einprügeln, oder sie ignorieren und sich bereitwillig beißen lassen, sondern genau schauen, woher das Verhalten rührt.

Ich weiß nicht, warum das jetzt alles so in ein "Gewaltthema" gleitet, denn auch Murx hat doch genau beschrieben, in welchen Fällen ein Zurechtweisen und Grenzen aufzeigen angebracht ist und wann nicht.
Es ist doch natürlich, daß man sich zur Wehr setzt, wenn man angegriffen wird.

Ganz ehrlich, ich verstehe es generell nicht, wie der Mensch behaupten kann er sei der rudelchef einer anderen Art, das funktioniert nicht, weder beim Hund noch beim Kaninchen.
Ich verstehe mich nicht als Rudelchef meiner Kaninchen, aber ich trage nun mal die Verantwortung für sie und auch für mich. Insofern bin ich hier schon der Chef. Ich muß dafür Sorge tragen, daß es allen gut geht.
Aber vielleicht war das ja anders gemeint... :hm:

Und nebenbei, auch ich z.B. könnte sehr wahrscheinlich mit so´ner Plastiktütenrolle besser dosieren als mit der Hand, wie Murx schrieb.

Meine Kaninchen dosieren freundlicherweise ganz gut, sodaß sie mir durch leichtes Zwicken schonmal gezeigt haben, wenn ihnen was nicht passte, sodaß ich hier noch nie Grenzen zeigen mußte, sondern eher die Kaninchen mir. :smile:



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Re: Kaninchen attackiert beim Füttern

Beitrag von Murx Pickwick » Sa 21. Jun 2014, 14:18

Es ist leider ein Thema, was sehr wichtig ist - gerade in der Tierhaltung ... und was oft genug stark tabuisiert wird. Aus der Vermeidung eines unangenehmen Themas lernt nur leider keiner.

Der Mensch neigt zum Pauschalisieren (jeder von uns, ich auch oft genug ... da brauchts einfach immer wieder die Korrektur aller Diskussionsteilnehmer) ... und es wird sehr gern und sehr effektiv pauschalisiert, von allen Seiten aus ... die Einen nehmen Äußerungen, daß in Ausnahmefällen es ok ist, sich mit Tritten oder was auch immer zu wehren, als Freibrief zu hemmungslosem Sadismus gegenüber dem Tier, die Anderen wiederum verteufeln jegliche Art der Gewalteinwirkung, selbst dann, wenn sie Sinn macht, ohne sich die tatsächliche Situation genau anzuschauen. Von beiden Seiten werden dann gerne irrelevante Dinge ins Spiel geführt, wie beispielsweise Rudelbildung und Rudelchef ... sry, Revierverteidigung bei Kaninchen hat weder was mit Rudeln noch mit Menschen zu tun, die sich als Rudelchef aufspielen wollen, das ist einfach meilenweit am Thema vorbei, ist aber sehr gut dazu geeignet, den Blick auf die Vielfältigkeit des Problems zu verschleiern und die Diskussion in einen Schwarz-Weiß-Streit umzubiegen ...

Viel wichtiger wäre doch da eher, herauszufinden, woran kann der Halter erkennen, wie er sich gegenüber seinen aggressiv gewordenen Gefangenen zu verhalten hat, damit es wieder für alle Beteiligten eine erträgliche Situation wird?
Und das geht nunmal nur dann, wenn endlich jeder anerkennen würde, daß Situationen gänzlich unterschiedlich sein können, auch wenn sie oberflächlich betrachtet gleich aussehen ... außerdem geht es nur, wenn die arteigenen Besonderheiten aller beteiligten Arten berücksichtigt werden - und nicht Äpfel mit Birnen verglichen werden.



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Re: Kaninchen attackiert beim Füttern

Beitrag von Saubergschweinchen » Sa 21. Jun 2014, 15:02

Niemand (zumindest ich nicht) hat das Verhalten von Swantje im Affekt kritisiert. Was ich bedenklich finde ist das hier Anleitungen zur "körperlichen Erziehung" mit einer Rolle gelbe Säcke als Allheilmittel für aggressvie Kaninchen angepriesen wird.

Murx hat beschrieben wie unterschiedlich die Gründe für solches Verhalten sein können. Und jeder von euch kann das 100% einschätzen?

Nein, ich bin kein Vegetarier, finde ich aber auch einen schlechten Vergleich. Jeder der Fleisch ist muss also ein Freund körperlicher Gewalt sein? Ganz schön schwarz-weiß


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Re: Kaninchen attackiert beim Füttern

Beitrag von Murx Pickwick » Sa 21. Jun 2014, 17:52

Ich denke nicht, daß es als eine Anleitung zur körperlichen Erziehung gedacht war, sondern eher als Erfahrungsbericht ... und als solcher finde ich sowas auch ok.

Das Problem ist jedoch leider immer, daß es falsch verstanden werden kann - als generelle Anleitung zu wie behandele ich aggressive Kaninchen oder so ...
Ist nen schwieriges Thema, finde ich ...



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Re: Kaninchen attackiert beim Füttern

Beitrag von eichhorn33 » Sa 21. Jun 2014, 18:03

Saubergschweinchen hat geschrieben: Nein, ich bin kein Vegetarier, finde ich aber auch einen schlechten Vergleich. Jeder der Fleisch ist muss also ein Freund körperlicher Gewalt sein? Ganz schön schwarz-weiß
Nee , aber ich kann Swantjes Logik folgen , denn anders herum wird schon irgendwie ein Schuh daraus :
Wenn ich mein Tier nicht einmal im akutem Fall körperlich angehen kann , kann ich doch nicht andererseits andere Tiere "nur" für meinen Genuss schlachten lassen .
Nur ein bisschen Pazifist sein geht nicht ..........



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Re: Kaninchen attackiert beim Füttern

Beitrag von Swantje » Sa 21. Jun 2014, 20:33

Eichhorn hat mal wieder verstanden was ich meine, DANKE.

Genau, wenn jemand sich so wehement gegen jegliche Gewalt an Tieren ausspricht, ist er in meinen Augen nur dann glaubwürdig, wenn er Vegetarier ist.
Denn mit jedem Griff ins Tiefkühlfach oder der Fleischtheke im Supermarkt wird tierisches Leid nicht nur geduldet, sondern sogar UNTERSTÜTZT und gefördert.

Sorry, aber das widerspricht sich für mich total.
Und dafür gibt es auch KEIN vernünftiges Gegenargument, sondern wenn dann nur Ausreden.

Ich z. B. tue sowas nicht mehr, da ich diese Tierquälerei nicht mehr unterstützen und fördern will.
Denn sowas ist wirkliche Tierquälerei, Massentierhaltung, etc., bei dem Gedanken daran wird mir einfach nur schlecht.

Da schmort ein Hasen-Schweine-Rinderbraten oder ähnliches im Ofen und so jemand will mir dann etwas über Quälerei an Tieren erzählen.
Aber derjenige schlachtet wahrscheinlich nicht selber, er läßt es andere für sich tun, die vorher finanziell unterstützt und hinterher verteufelt werden.



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Re: Kaninchen attackiert beim Füttern

Beitrag von Murx Pickwick » Sa 21. Jun 2014, 22:09

Denn mit jedem Griff ins Tiefkühlfach oder der Fleischtheke im Supermarkt wird tierisches Leid nicht nur geduldet, sondern sogar UNTERSTÜTZT und gefördert.
Wer sagt denn, daß jeder, der Fleisch ißt, im Supermarkt kauft?
Man kann auch Fleisch von Weidetieren kaufen, die ihr ganzes Leben auf großen Weiden verbracht haben, ohne Zufütterung von unnatürlichem Kraftfutter und in natürlichem Familienverband. Man kann sein Fleisch selbst heranzüchten, wie ich es lange Zeit mit Kaninchen gemacht hab usw usf ...
Nur ein paar Beispiele für Tiere, die tatsächlich artgerecht gehalten werden und wo es weniger Tierquälerei ist, wie sie gehalten werden, wie bei uns viele Pets, die wir so halten, einfach, weil die Tiere ihr Leben lang genügend Platz haben und ganzjährig draußen gehalten werden und zudem auch noch artgemäß gefüttert werden.
[url=http://www.buntebentheimer.de/Deutsche_seite/Firma/film_youtube.html]de Feijterhof[/url] - Deutschland
[url=http://www.krameterhof.at/cms60/index.php?id=5]Krameterhof[/url] - Österreich
[url=http://www.lashorster-weideschwein.de/]Naturlandhof Lashorster Weideschwein[/url] - Deutschland
[url=http://hofgut.farnsburg.ch/]Hofgut Farnsburg[/url] - Schweiz
[url=http://www.essbare-landschaften.de/gut-manhagen/]Gut Manhagen[/url] - Deutschland
... und viele mehr ...
Je mehr von solchen Höfen Fleisch gekauft wird, desto mehr kann auch dem Staat gegenüber durchgesetzt werden, daß das Land nicht an Massentierhaltungsställe gegeben werden darf, sondern an solche Landwirte, die ihre Tiere artgerecht halten. Das heißt, wer Fleisch aus solchen Haltungen in seiner Kühltruhe lagert, kämpft aktiv gegen Massentierhaltung!

Mal ganz davon abgesehen, die meisten Gelder, die solche Leute, die Massentierhaltung betreiben, tatsächlich bekommen, ist nicht der Gewinn über ihre Produkte, sondern das sind Fördergelder vom Staat her ... der Steuerzahler unterstützt inzwischen diese Massentierhaltungen zu 80% und mehr!
Und das, ohne daß er sich dagegen zur Wehr setzen könnte ...
Also, um es mal noch deutlicher zu machen, selbst Veganer unterstützen Massentierhaltung, sobald sie arbeiten gehen und ordnungsgemäß Steuern zahlen!



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Re: Kaninchen attackiert beim Füttern

Beitrag von Swantje » Sa 21. Jun 2014, 23:50

@Murx Pickwick

Ich wollte damit auch nur diejenigen ansprechen, die ihr Fleisch im Supermarkt kaufen und hier im Forum gegen jegliche Gewalt, selbst gegen das zur Wehr setzen gegenüber Tieren plädieren.
Diese Leute sind für mich unglaubwürdig, nach dem Motto: Wasser predigen und Wein trinken.
Und diese Menschen sollten dann in meinen Augen auch Vegetarier oder Veganer sein, wenn sie einem Tier niemals ein Haar krümmen würden.

Ansonsten finde ich das mit der artgerechten Tierhaltung für sog. Schlachttiere völlig richtig.
Bin selber kein Vegetarier, auch ich esse Fleisch von Tieren, die bis zu ihrer Schlachtung ein artgerechtes Leben auf der Wiese in Herdenhaltung führen dürfen, da auch ich weiß, daß man somit einen Beitrag gegen Massentierhaltung leistet und die wenigen Bauern unterstützt, die ihre Tiere noch so halten.
Diesen Bauern wird es ja seiten des Staates immer schwieriger gemacht, ihre Tiere überhaupt noch so zu halten.
Ok, gegen Fördergelder für Massentierhaltung können wir in diesem Sinne etwas tun oder auch die richtige Partei an die Macht bringen, durch unsere Wählerstimmen.
Schwarzarbeit wäre da natürlich nicht sehr empfehlenswert, völlig klar, zumal ja auch noch andere Steuern anfallen, richtig.

Nur wenn ich dann Sachen lese wie, nichtmal einen Stups auf die Nase geben oder ähnliches, dann fallen mir Sätze ein wie: wer im Glashaus sitzt sollte nicht mit Steinen werfen, sofern dieser Personenkreis zu den von mir angesprochenen Supermarkt-Fleischessern gehören SOLLTE.

Bin auch in keinster Weise dafür, Tiere zu verprügeln. Sowas gehört sich einfach nicht, das ist doch völlig klar und steht in diesem Thread doch auch eigentlich gar nicht zur Debatte.



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Re: Kaninchen attackiert beim Füttern

Beitrag von Swantje » So 22. Jun 2014, 00:24

Mein lebenlang war ich der Meinung, durch und durch Tierfreund und Tierschützer zu sein, war und bin auch aktiv in Sachen Tierschutz tätig.

Und dann stand mal jemand vor mir und sagte zu mir: "Du nennst Dich Tierschützer??? Du bist kein eingefleischter, wahrhaftiger Tierschützer wenn Du in die Supermarktkette gehst und Dir dort Dein Schnitzel für`s Mittagessen kaufst."

Und da wurde mir bewußt, daß ich jahrelang brutalste Tierquälerei unterstützt und gefördert hatte, ohne drüber nachzudenken was ich da eigentlich tue. Heute weiß ich es.
Und ich schäme mich zutiefst dafür, das Wort Tierschutz jahrelang nicht nur unterstützt, sondern auch missbraucht zu haben.
Auf Kosten derer, die ihr Bestes für uns Menschen geben-ihr Leben.



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Re: Kaninchen attackiert beim Füttern

Beitrag von Murx Pickwick » So 22. Jun 2014, 05:00

Ich wollte damit auch nur diejenigen ansprechen, die ihr Fleisch im Supermarkt kaufen und hier im Forum gegen jegliche Gewalt, selbst gegen das zur Wehr setzen gegenüber Tieren plädieren.
Du kannst in diesem Forum schon von ausgehen, diejenigen, welche sich hier im Forum für absolute Gewaltlosigkeit gegenüber dem Tier einsetzen, gehören nicht in diese Gruppe ... selbst diejenigen, die keine Veganer oder Vegetarier sind, schauen, woher ihr essen kommt ;)
Gerade diejenigen, welche hier im Tierplaneten schon länger unterwegs sind, wurden und werden immer wieder mit dem Ding der Monokulturen und Massentierhaltung konfrontiert - und mit den Alternativen. Es geht nämlich nicht nur um Massentierhaltung, sondern auch um die Quälerei, welche man den Pflanzen antut, wenn man hektarweise nur noch eine einzige Pflanze anbaut und alles andere totspritzt ... und die Kollateralschäden, die solche Anbaumethoden nunmal hinterlassen.



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Re: Kaninchen attackiert beim Füttern

Beitrag von Bigfoot63 » So 22. Jun 2014, 11:24

Ich bin jetzt kein Vegatarier oder Veganer oder was auch immer noch so in das Schubladensystem der Ernährung passt.
Mir ist eine vernünftige Ernährung wichtig und da achte ich immer auf die Herkunft und ja ich esse Fleisch, zuletzt eine Weidekuh eines Bauern, die ich auch persönlich kannte...vom sehen.

Schade finde ich das oft, eine Diskussion in Ernährungsfragen endet.
Einge gute Bekannte von mir ist erfolgreiche Springreiterin, das ist nicht schön für die Pferde; die leider auch die meiste Zeit in der Box stehen. Sie ist aber überzeugte Veganerin......

Ich finde das Schubladendenken so schwierig. Es wird katalogisiert und pauschalisiert und ein Urteil gebildet.
Eigene Erfahrungen und Beobachtungen auszuwerten und darauf hin eine Entscheidung zu treffen, das verlernen wir alle immer mehr...leider.

Bei meiner Arbeit mit Pferden setze ich oft auch eine andere Priorität als bei einem Kaninchen.
Bei einem "Futter agressiven Pferd" muss ich andere Lösungen finden als bei einem Kaninchen. Beide versuche ich aber durch Ablenkung und schaffen von "positiven" Erfahrungen umzulenken...
Jedoch ist es sein Unterschied ob mich ein Kaninchen angeht oder ein 600 kg Pferd, das berücksichtige ich im Rahmen meiner Eigensicherung aber schon...


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Re: Kaninchen attackiert beim Füttern

Beitrag von Swantje » So 22. Jun 2014, 18:58

Ok, damit diese Diskussion hier nicht in Ernährungsfragen endet, erzähle ich Euch jetzt, daß ich heute von meiner Lulu einen Nasenstupser bekommen habe.
Sie kam zu mir, gab mir einen Stups mit der Nase und ging wieder.

Ich denke, das war nun wirklich ein Vertrauensbeweis. Sie hat KEINE Angst vor mir.

Bin jetzt fest davon überzeugt, daß ich mich ihr gegenüber richtig verhalten habe. Und sie greift auch nicht mehr an, ist alles wieder in Ordnung und ich hoffe jetzt einfach, daß es so bleibt wie es ist.

Gruß
Swantje



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Re: Kaninchen attackiert beim Füttern

Beitrag von Hasilein » Mo 23. Jun 2014, 09:49

Klasse! :smile:
Das freut mich für dich/euch.



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Re: Kaninchen attackiert beim Füttern

Beitrag von Swantje » Mo 23. Jun 2014, 11:19

@Hasilein
Vielen Dank, das ist nett von Dir.

Also ich für meinen Teil habe hier über jede Antwort, die geschrieben wurde nachgedacht und mir das, für mich/uns stimmige dabei rausgezogen.

Danke an alle, die sich zu diesem Thema hier eingebracht haben, denn ich bat ja um Eure Einschätzung der Lage und war anfangs auch wirklich sehr ratlos.

Daß sich das jetzt in kürzester Zeit so positiv entwickelt hat, damit habe ich auch nicht gerechnet, ehrlich gesagt.

Tiere spiegeln ja auch das Verhalten des Menschen, dafür sind sie ja, meines Erachtens nach sehr gute Lehrmeister.
Und ich frage mich auch jetzt noch, warum hat mein Tier mich angegriffen, was wollte sie mir damit wirklich sagen?
Denn Lulu scheint mich ja ansonsten zu mögen.
Bin momentan ziemlich gestreßt und auch wenn man den Tieren nichts tut, merken sie das an der Ausstrahlung und am Geruch.

Ich glaube, sie wollte mir u.a. damit zum Ausdruck bringen, daß ich mal runter fahren und innerlich ruhiger werden soll.
Vielleicht hat sie das schon die ganze Zeit genervt.
Denn seit dem Vorfall bin ich bedachter und ruhiger geworden, also hat auch mein Tier MIR innerlich einen vor den Bug gegeben.

Tiere halten einem den Spiegel vor.
Sie können es besser als jeder Mensch, weil sie instinktiv reagieren.

Ich glaube trotzdem, jeder von Euch hier hat mit dem was er geschrieben hat ein bißchen Recht gehabt.
Eure Antworten in Verbindung mit der Reaktion von Lulu und den eigenen Gedanken dazu haben die Lösung gebracht.

Danke!
Swantje



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Re: Kaninchen attackiert beim Füttern

Beitrag von Murx Pickwick » Mo 23. Jun 2014, 13:27

Tiere spiegeln ja auch das Verhalten des Menschen, dafür sind sie ja, meines Erachtens nach sehr gute Lehrmeister.
Und ich frage mich auch jetzt noch, warum hat mein Tier mich angegriffen, was wollte sie mir damit wirklich sagen?
Lulu wollte mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit dir nur sagen:
"Hau ab! Mein Revier!"
Gibt nicht viele Kaninchen, die so größenwahnsinnig und unhöflich sind, auch Menschen aus ihrem Revier zu vertreiben, aber Lulu ist wohl so ein Kaninchen ...
Tja, und mit dem Nasenstüper hast du Lulu nur gesagt:
"Hast se wohl nicht mehr alle! Ist mein Revier! Akzeptiers, oder geh ... "
Und Lulu hats akzeptiert. Schließlich ist ein Kaninchenrevier kein Menschenrevier, sie kann also weiterhin ihr Revier haben, auch wenn du nun dort dein Revier verteidigst. Ihr seid halt keine Konkurrenz ...

Mit dem Streß könnte mit ne Rolle spielen, daß sie überhaupt nur auf diesen größenwahnsinnigen Gedanken gekommen ist - Streß und unsicheres Verhalten deuten Kaninchen auch beim Menschen als: "Der ist rangniedriger, der hat Angst, den kann man vertreiben." Kaninchen sind da einfach nicht so sozial wie beispielsweise Meerschweinchen, sie sehen jeden und alles in erster Linie als Konkurrenz, Mitläufer oder Nichtbeachtenswert an ... Konkurrenz wird vertrieben, wenn sie sich vertreiben läßt, Mitläufer werden geduldet oder auch nicht und Nichtbeachtenswert wird fachgerecht ignoriert.

Dementsprechend werden Kaninchen, welche krank oder schwach werden, gnadenlos aus dem Revier vertrieben - und wo das nicht geht (weil wir sie beispielsweise eingesperrt haben), wird der kranke gemobbt, bis er stirbt ...

Wenn Kaninchen Freundschaften aufbauen, ändert sich das ... sie bleiben stets in der Nähe, wie ein Hund, gibt Kaninchen, mit denen kann man spazieren gehen - ohne Leine. Sie kapieren nicht, weshalb man sein angestammtes Revier verlassen sollte - aber wenn der befreundete Mensch das nunmal tut und nin in seiner Nähe bleiben will, gehts zwangsweise mit ... es ist eine der größen "Opfer" die ein Kaninchen aufgrund von Freundschaft anbietet.
Normalerweise sieht man Kaninchen nicht an, daß sie trauern, im Gegenteil, ich hatte oft das Gefühl, meine Kaninchen waren regelrecht erleichtert, wenn ein Kaninchen aus ihrem Gebiet verschwand oder starb ... dann war endlich wieder mehr Platz, die Ressourcen konnten wieder neu aufgeteilt werden - ganz anders bei Kaninchenfreundschaften, stirbt da der Freund, trauern Kaninchen sichtlich ... selbst für uns Menschen sichtlich!
Und das will schon was heißen!
Ein Kaninchen würde nie auf die Idee kommen, seinen Freund zu beißen ... das Lulu dich gebissen hat, zeigt dir also, Lulu ist nicht mit dir befreundet, sie sieht dich als Futtergeber, als Mensch, als Jemand, der einfach so ständig ins Kaninchenrevier reintappt, wo nin besser in dessen Nähe man bleiben und den Menschen beobachten muß, um nicht überrascht zu werden ... gern mögen im Sinne des Menschen ist das jedoch nicht, dazu sind Kaninchen viel zu sehr auch heute noch Wildtiere und dazu sind sie viel zu sehr Kaninchen.

(Meerschweinchen ist was Anderes, die können sich tatsächlich sehr gut auf ihre Menschen einstellen ... sie trösten, sie gewinnen Vertrauen durch die Ruhe des Menschen, sie können, wenn der Mensch sich intensiv mit ihnen beschäftigt, regelrecht über sich hinauswachsen und Dinge meistern, die sie normalerweise nicht meistern könnten)

Auch sonst ...
Mir waren Ratten, Chinchillas, Meerschweinchen etc immer ein sehr deutlicher Spiegel - Kaninchen nur insofern, wie sie halt noch mehr auf ihre Rechte pochten und mir noch mehr auf der Nase rumtanzten, wenn es mir dreckig ging! Sie sinds halt gewöhnt, die Schwächen ihrer Artgenossen gnadenlos auszunutzen, das tun sie auch mit uns Menschen ... schließlich werden wir von ihnen genauso verkaninlicht, wie wir dazu neigen, sie zu vermenschlichen.



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Re: Kaninchen attackiert beim Füttern

Beitrag von eichhorn33 » Mo 23. Jun 2014, 14:45

Swantje hat geschrieben:
Sie können es besser als jeder Mensch, weil sie instinktiv reagieren.
Und vielleicht sollte man sich als Mensch auch ab und an , so wie Du in dem Moment , auf seine Instinkte verlassen .
Denn Dein Tritt war ja nicht abgewägt und überlegt , sondern instinktiv und impulsiv .

Murx Pickwick hat geschrieben: ........ schließlich werden wir von ihnen genauso verkaninlicht, ..........
Genau das meinte ich !
Und auf das Niveau muss ich mich "herab" lassen . Ich kann nicht erwarten , das Hasi das mit mir nach Menschenart kultiviert ausdiskutiert .



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Re: Kaninchen attackiert beim Füttern

Beitrag von Swantje » Mo 23. Jun 2014, 16:29

Und ich dachte immer, ein leichter Nasenstups vom Hasen an den Menschen wäre etwas positives.
Bessy macht das jeden Tag wenn ich komme, ganz vorsichtig, wenn ich meine Hand hin halte.
Und sie ist auch total anhänglich, nur lieb und legt sich sogar neben mich wenn ich mich hinsetze.
Ich dachte wirklich, daß es etwas positives wäre.
Und als Lulu das dann auch machte hatte ich mich schon richtig gefreut.

Also wieder mal verkehrt verstanden,....ok...hmmmmm.



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Re: Kaninchen attackiert beim Füttern

Beitrag von Murx Pickwick » Mo 23. Jun 2014, 17:06

Ein Nasenstups eines Kaninchens, egal ob gegenüber Kaninchen oder Mensch, ist ja was Positives ... es heißt soviel wie: "Ich tu dir nix, du tust mir nix" und ist fast vergleichbar mit nem Friedensvertrag bei uns Menschen.
Außerdem baut es Streß ab ... und Vertrauen auf.

Daß neben dir liegen ist Vertrauen ... es bedeutet soviel wie "Ich weiß, daß du mich nicht frißt, also genieße ich deinen Schutz"

Kaninchen denken anders, wie wir Menschen ... wir Menschen schließen schnell Freundschaft, teilweise sogar aus politischem Kalkül heraus, aber wir brechen Freundschaften auch sehr schnell. Bei Kaninchen ist das anders ... es kommt selten vor, daß sie mal ne Freundschaft schließen, aber diese Freundschaft hält auch bis zum Tod.

Dafür haben Kaninchen eine Menge Verhaltensweisen, die nur darauf ausgelegt sind, Frieden zu schließen und Frieden zu halten ... Frieden bedeutet nämlich weniger Streß und mehr Zeit und Ressourcen zur Jungenaufzucht. Viele Verhaltensweisen, wie Stupsen, Lecken, Nebeneinanderliegen sind nur dafür da, den sozialen Streß, wenn man denn schon zusammenleben muß, auf ein Mindestmaß zu beschränken. Der soziale Streß wird so abgebaut, die Kaninchen können endlich sich mal entspannen und zur Ruhe kommen - sonst sind sie ja nur noch unter Strom!
Nimm es nicht als Freundschaft - sondern als das, was es ist ... du wirst bei den Beiden akzeptiert und nicht nur als Nichtbeachtenswert oder reiner Futtergeber eingestuft toleriert! Das ist schon ne ganze Menge ... ich meine, du bist ein Mensch, kein Kaninchen! Das solltest du bei der ganzen Geschichte auch nie niemals nicht vergessen!

Ach ja ... was vielleicht auch noch wissenswert ist - solche "Friedensverträge" werden bei Kaninchen mehr oder weniger täglich geschlossen ... heute ist heute, morgen ist morgen - und kein Kaninchen weiß, ob es morgen noch lebt oder ob es morgen noch die Mitläufer im Revier dulden will oder den Revierinhaber als solchen anerkennen will. Das kann praktisch innerhalb kurzer Zeit wieder ausgetestet werden - weniger dir gegenüber, du bist ein Mensch und wirst als solcher akzeptiert, aber unter deinen Beiden ... es kann also immer wieder mal ordentlich heftige Raufereien und Jagereien geben, das ist bei Kaninchen ganz normal.



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Re: Kaninchen attackiert beim Füttern

Beitrag von Ringelsöckchen » Mo 23. Jun 2014, 23:09

Mit einem Nasenstups kann eine Kaninchenfreundschaft aber ANFANGEN. ;)

Ich hatte mal so ein bissiges Kaninchen, die war eine richtige Furie, als ich sie bekam. Bei ihr kam's aufgrund der vorherigen Haltung (sie hatte ein völlig gestörtes Verhältnis zu Essen und Menschen - was sie auch noch miteinander verband, denn sie bekam jahrelang nur dann Menschen zu sehen, WENN es was zu essen gab, was leider viel zu selten war...). Sie war fast verhungert, als sie ankam und sie hat mich anfangs übel zugerichtet, mich regelrecht angefallen, wann immer ich in ihre Nähe kam. Ich brauchte bloß mit dem Fuß ins Gehege steigen und sie ist auf mich losgegangen, hat mich gekratzt und gebissen und war wirklich wie eine Furie.

Ich hab mich auch gewehrt. Was hätte ich auch sonst tun sollen. Energische Schubser waren das erste, bis ich nach einigen Wochen irgendwann die Nerven verlor, weil ich mittlerweile total blutige Hände hatte und sich die Wunden schon gar nicht mehr schlossen. Als sie mich dann wieder mal wie eine Irre angefallen hat (wie IMMER, wenn ich in ihre Nähe kam), hab ich auch im Affekt nach ihr geschlagen. Das war echt nicht doll, aber sie war total erschrocken und auch wenn ihr Verhalten nicht schlagartig besser wurde, so war das doch der Wendepunkt, ab dem es dann aufwärts ging.

Irgendwann fraß sie mir aus der Hand, etwas später stupste sie mich auch an. Und noch später freundete sie sich tatsächlich mit mir an. Sie kam von alleine kuscheln (ich saß im Gehege und sie legte sich direkt an mich), wenn ich sie streichelte und die Hand wegnahm, krabbelte sie der Hand hinterher und schob ihren Kopf wieder drunter, sie leckte Tränen weg, wenn ich traurig war und reagierte immer und prompt auf meine Stimmungen - als einziges Kaninchen, das ich je hatte, die das überhaupt konnte. Aber sie konnte mich definitiv "lesen".

Vielleicht also ist Deine Lulu drauf und dran, Dir Freundschaft anzubieten. ;)



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Re: Kaninchen attackiert beim Füttern

Beitrag von Murx Pickwick » Mo 23. Jun 2014, 23:55

Kaninchen erstaunen mich immer mehr ... es ist die erste Geschichte dieser Art, die ich von einem Kaninchen lese.



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