Ständig Aufgasungen trotz Wiesenfütterung

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Firlefanz
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Ständig Aufgasungen trotz Wiesenfütterung

Beitrag von Firlefanz » Mi 22. Jun 2022, 12:38

Moin!
Ich bin mir zwar nicht sicher, ob ich Antworten bekomme, da nicht viel los zu sein scheint in diesem Unterforum, aber ich probiere es trotzdem mal. Ich habe nämlich den Eindruck, dass die zahlreichen Probleme, die man mit den Mümmlern so hat, in diesem Forum sehr viel differenzierter betrachtet werden. :smile:

Also: Ich habe zwei Kaninchen in freier Innenhaltung - Harald und Gandalf - und drei in Außenhaltung - Ronja, Nicki und Mausi. Die draußen machen mir eigentlich nie Sorgen, was ihre Gesundheit angeht, aber die drinnen haben ständig Probleme. (Ich musste zwei Gruppen machen, da Ronja Harald gemobbt hat.) Dabei gehe ich jeden Tag in unseren 1000 m²-Garten und pflücke das ganze schreckliche Unkraut, was unser Nachbar in seinem Garten ganz, ganz schlimm fände. :nö:
Dabei finde ich sehr viel Spitzwegerich (wird meist verschmäht), Storchenschnabel, Ferkelkraut, Löwenzahn, noch was Löwenzahn-Ähnliches, Gundermann, Giersch, Klee, Franzosenkraut, irgendwas oxalsäurehaltiges mit roten Samen, eine klein gewachsene Schafgarbenart und ein paar Dinge mehr, die ich nicht kenne oder vergessen hab. :schäm:
Dabei achte ich inzwischen auch schon weniger darauf, ob Giftpflanzen dabei sind...aber die Wolfsmilch trau ich mich (noch) nicht und den Fingerhut lass ich auch lieber weg.

Das ganze Zeug wird aber von denen drinnen oftmals nur mäkelig gefressen. Manchmal denke ich mir "selbst Schuld", manchmal mach ich mir Sorgen, dass sie verhungern und hole dann aus dem Supermarkt Basilikum, Minze, Kohlrabiblätter, Möhrengrün, Stangensellerie. Was sie gar nicht bekommen, ist so Knollenzeug. Dann habe ich seit der vorletzten Aufgasung versucht, ein Aufbau-Programm zu starten: Wiese + Eichenäste + Thuja + Fichte + Rodicare akut + Rodicare Dia + pro Nase ein Esslöffel Haferflocken/Tag + Fenchelsamen + ab und zu Apfel mit Nelken drin (Tipp von hier gegen Haralds evtl. Ohrenschmerzen). Tatsächlich waren sie schnell sehr viel lebendiger und frech wie Oskar, außerdem hatten sie schnell mehr auf den Rippen und sehen jetzt wieder gut genährt aus.
Gestern hatten sie dann beide eine Aufgasung. Bei Gandalf ist die letzte 1,5 Monate her, er ist eigentlich so der Kandidat für wiederkehrende Aufgasungen. Bei Harald ist es erst 1 Woche her, er ist eigentlich überhaupt kein Kandidat für Aufgasungen. Allerdings bekommt er seit 6 Wochen ein Anitbiotikum - Zithromax - weil er einen Rest Mittelohrentzündung hat (das CT zeigte nur ein bisschen Eiter im Ohr, davor hatte er immer wiederkehrende Otitis Externa). In zwei Wochen soll nochmal mit CT geguckt werden, ob der Rest weg ist. Er ist auch chronischer Schnupfer, jedoch ohne starke Symptome wie häufiges Niesen, Rotz etc. Meist nur Grunzen und dann halt die Ohrenentzündung.

Bei Harald kann ich mir vorstellen, dass das Antibiotikum so langsam seinen Tribut fordert und er deshalb öfter Aufgasungen hat. Bei Gandalf gibt es die Verdachtsdiagnose "Megacolon" - auf dem RöBi sah die TÄ leichte Veränderungen am Darm. Er ist auch gescheckt, allerdings bezweifel ich diese Diagnose ein wenig, weil er 1. schon 2,5 Jahre alt ist und 2. noch nie übermäßig große Köttel gemacht hat. Evtl. ne leichte Form.

Naja, auf jeden Fall bekommen sie Wiese und manchmal Grünzeug aus dem Supermarkt, keine Knollen, kein Trockenfutter...achja, sie bekommen auch noch hin und wieder Leinsamenpellets und Ingwer liegt auch immer da. Harald bekommt außerdem keine Schmerzmittel mehr, sondern CBD-Öl (was ich ihm allerdings auf ein paar zuckerfreie Cornflakes tröpfel). Und trotzdem kommen die Verdauungsprobleme immer wieder! Was mache ich nur falsch? :shock:

Ich muss dazu sagen, das letzte Mal - also gestern - hatten beide quasi gleichzeitig angefangen mit Aufgasung, evtl. haben sie also beide was Falsches gefressen und es hat nichts mit einem wiederkehrenden Muster zu tun. Ich hatte ihnen nämlich, weil ich den ganzen Tag bis in die Nacht weg war, aus einem türkischen Supermarkt riesige Büschel Petersilie mitgebracht. Sonst bekommen sie nichts aus nem türkischen Supermarkt. Keine Ahnung, ob da die Kräuter so stark gespritzt sind? Eigentlich ist Petersilie ja wunderbar für Kaninchen. Vielleicht haben sie auch irgendwas ungesundes auf dem Boden gefunden...keine Ahnung.
Habt ihr vielleicht ne Ahnung? Tipps, was ich noch verbessern kann? Gründe für die wiederkehrenden Verdauungsprobleme?

Ich weiß, ist lang geworden, aber ich muss ja umfassende Infos geben, damit ihr euch ein Bild machen könnt. :top:
Ach ja, eine Auffälligkeit noch: Die Aufgasungen kamen immer 1-3 Tage, nachdem ich kein Rodicare akut mehr gegeben hatte (entweder war es ausgegangen oder ich hatte keine Zeit oder so)...aber ich will das ja auch nicht lebenslang geben. Und vielleicht besteht ja auch gar kein Zusammenhang mit den Aufgasungen.

Naja, erstmal genug. Liebe Grüße an die eventuellen Leser! :mrgreen:



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Murx Pickwick
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Re: Ständig Aufgasungen trotz Wiesenfütterung

Beitrag von Murx Pickwick » Do 23. Jun 2022, 13:13

Es ist verdammt schwer, noch Tips zu geben, wenn schon sehr nah am Optimum gefüttert wird und es dennoch nicht klappt ...

Rodicare dia kenne ich nicht, kann aber an der Zusammensetzung nix erkennen, was tatsächlich zu diesen ständigen Aufgasungen führen könnte - im Gegenteil, es besteht laut Beipack zu 45% aus Heidelbeeren, welche in solchen Fällen eher gut sind. Rodicare acut hat sich in ähnlichen Fällen bewährt, deine Beobachtung, daß Gandalf aufgast, wenn du Rodicare acut wegläßt, ist also vermutlich korrekt.
Du könntest ausprobieren, ob getrocknete (oder frische) Heidelbeeren gefressen werden - viel werden sie nicht fressen, Kaninchen sind ja keine Fruchtfresser.
Auch einen Versuch wert wäre Schwarzkümmel im Dauerangebot. Schwarzkümmel reguliert das Immunsystem über den Darm und fördert ein gesundes Darmmilleu.

Fingerhut gehört nicht unbedingt zu den natürlichen Nahrungspflanzen von Kaninchen, ist bestenfalls eine Medizinalpflanze und wirkt stark aufs Herz. Insofern kann ich absolut verstehen, daß du dich an den Fingerhut nicht rantraust, ich würd ihn vermutlich auch nicht geziehlt verfüttern. Bei der Wolfsmilch kommt es so ein wenig drauf an, welche Art du vor dir hast - Sonnenwendwolfsmilch (Euphorbia helioscopia) wird von wildlebenden Kaninchen durchaus gefressen, wenn auch nur in geringen Mengen. Bei der kreuzblättrigen Wolfsmilch (Euphorbia lathyris) dagegen hab ich keinen Nachweis, daß die auch von Kaninchen gefuttert wird, meine Kaninchen hatten diese jedenfalls rigoros stehengelassen. Es wachsen noch mehr Wolfsmilcharten in Deutschland, allerdings sind sie seltener zu finden und ich muß gestehen, ich hab keinerlei Informationen über das Fraßverhalten von Kaninchen und den anderen Wolfsmilcharten ... ich kann nur versichern, die in Deutschland natürlich vorkommenden Wolfsmilcharten können Kaninchen nicht schädigen.

Bei der Antibiotikagabe wirst du dich wohl oder übel auf deinen Tierarzt verlassen müssen. Dein Verdacht, daß Zithromax etwas mit den Aufgasungen zu tun haben könnte, ist plausibel und ein eher häufiger anzutreffendes Phänomeen. Eventuell bringt es was, das AB zu spritzen und nicht oral zu geben, aber das muß mit dem TA abgesprochen werden.
Aufgasungen können jedoch bei Wohnungskaninchen und Volierenkaninchen nach Hitzetagen oft beobachtet werden, selbst sehr gesunde Kaninchen leiden da teilweise darunter. Selbst wildlebende Kaninchen scheinen davor nicht gefeit zu sein ... aber da will ich lieber vorsichtig sein, vielleicht ist das nur ein Beobachtungsfehler meinerseits.

Megacolon kommt von kaum merklich bis stark ausgeprägt vor und ist meist eine genetische Sache. Zumindest beim Menschen kann Megacolon auch durch Darmtumore, Verletzungen im Darmbereich, Fisteln und Vernarbungen an der Darmwand entstehen. Das läßt sich beim Kaninchen nicht ausschließen, auch wenn ich darüber bislang noch keinen Bericht gelesen hab.
Es gibt jedoch immer wieder Halter, die es schaffen, ihren Kaninchen trotz Megacolon ein langjähriges Leben zu ermöglichen, die meisten Halter, die dies schaffen, füttern hauptsächlich Wiese. Die Aufgasungen und Verstopfungen sind jedoch etwas, was in solchen Fällen immer wieder kommt. Die megagroßen Köttel sind zwar bei genetisch verursachtem Megacolon bei Kaninchen fast immer zu beobachten - aber es gibt auch den untypischen Fall, daß die Köttel sehr lange normalgroß bleiben und erst im Alter immer größer werden. Ebenso scheint Parasit, welcher sich innerhalb der Zellen des Kaninchens einnistet. Symptome: Schiefhals, Gleichgewichtsstörungen, Schwäche, Nierenprobleme">Encephalitozoon cuniculi und Schnupfen häufiger bei Kaninchen mit Megacolon aufzutreten, was dafür sprechen würde, daß durch diese Darmveränderung das Immunsystem in Mitleidenschaft gezogen wird.
Läßt Gandalf sich den Bauch massieren? - Das scheint oft bei Megacolon zu helfen und wäre einen Versuch wert.

Die Ergänzung mit Basilikum, Minze, Kohlrabiblätter, Möhrengrün, Stangensellerie ist vernünftig, auch Lauch könntest du anbieten. Bekommen die Kaninchen genügend unsortierte Wiese, werden sie nicht zuviel davon futtern, können jedoch die unterschiedlichen Heilwirkungen dieser Kulturpflanzen nutzen.

Da es sich bei beiden Kaninchen um Wohnungskaninchen handelt, wäre auch ein Vitamin D Mangel im Bereich des Möglichen. Kaninchen brauchen sehr viel ungefiltertes Sonnenlicht.
Kannst du irgendwie einen Sonnenplatz einrichten mit Gitter gesichertem und offenstehenden Fenster, oder auf dem Balkon oder Terrasse?
Andreas Rühle empfiehlt an der Stelle sogar die Supplementierung mit Vitamin D ...
Wohnungskaninchen neigen zudem dazu, sich zuwenig zu bewegen - gerade bei Darmerkrankungen gleich welcher Art ist jedoch eine gleichmäßige Bewegung notwendig. Nun sind Kaninchen sehr neugierig, vielleicht kann man das ausnutzen.

Eventuell ist die Wiese nicht eiweißreich genug, in deiner Aufzählung finde ich als eiweißreiche Pflanzen nur Klee, Franzosenkraut und Giersch - wobei der Giersch eigentlich nur im Frühjahr und Frühsommer eiweißreich genug ist. Gibt es die Möglichkeit, an mehreren Tagen in der Woche auch von anderen Wiesen oder von Brachen zu sammeln?
Gerade Brachen bringen sehr viele nährstoffreiche Pflanzen, die für Kaninchen sehr bekömmlich sind.

Ansonsten bist du schon auf dem richtigen Weg, so den alles entscheidenden "Fehler" in der Ernährung deiner Kaninchen kann ich jedenfalls nicht finden.
Dann habe ich seit der vorletzten Aufgasung versucht, ein Aufbau-Programm zu starten: Wiese + Eichenäste + Thuja + Fichte + Rodicare akut + Rodicare Dia + pro Nase ein Esslöffel Haferflocken/Tag + Fenchelsamen + ab und zu Apfel mit Nelken drin (Tipp von hier gegen Haralds evtl. Ohrenschmerzen). Tatsächlich waren sie schnell sehr viel lebendiger und frech wie Oskar, außerdem hatten sie schnell mehr auf den Rippen und sehen jetzt wieder gut genährt aus.
Würd ich beibehalten und eventuell noch weiter ausbauen mit mehr Geölzarten, das ist ja offensichtlich der richtige Ansatz. Dabei könntest du gleich noch diverse Waldrandpflanzen und Wegrandpflanzen ausprobieren. Vor allem Baldrian und Ackersenf wird in aller Regel sehr gern gefressen. In feuchteren Lagen findest du auch Mädesüß und an Wegen sehr oft Nelkenwurz. Wonach du auch Ausschau halten kannst, sind Malven.
Ansonsten - möglichst viel unterschiedliche Wiese, mit Gräsern und Kräutern, wie sie dir zwischen die Griffel kommen.



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