Afrikanische Schweinepest

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Afrikanische Schweinepest

Beitrag von lapin » Di 26. Mär 2019, 12:38

Es gibt ja mittlerweile kein einziges Jahr mehr, in welchem es nicht irgendeine Seuchewarnungen gibt.

Dieses Jahr scheint es die Afrikanische Schweinepest zu sein.
Ausnahmsweise stellt dieser Virus keine Gefahr für den Menschen dar, was das aber allerdings wieder für viele Bestände aussagt, wissen wir ja schon zu Genüge :(.
Aktuell hört man in diesem Zusammenhang immer wieder von Wildschweinen, die nun gehäuft an diesem Virus gestorben sein sollen.

Es gibt aktuell auch noch keine Impfung, wird sicherlich aber nicht lange so bleiben :roll:.

Wie geht ihr mit diesen immer wiederkehrenden Informationen um? Nicht zuletzt die Schweinegrippe.

Angstmache?
Bestandsreduzierung?
Möglichkeit für neue Impfstoffe?
Natürlich?
Medienwirksam?


Lg lapin"Das Leben ist 10% was dir passiert und 90%, wie du darauf reagierst."

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Kim
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Re: Afrikanische Schweinepest

Beitrag von Kim » Di 26. Mär 2019, 16:25

Soweit ich weiß, gab es ja noch keine Fälle von Afrikanischer Schweinepest in D.
Aber die Ausbreitung in Osteuropa nimmt einfach in ziemlich bedenklichem Ausmaß zu.

Medienwirksam ist so ein Thema natürlich sehr. Und genau das ist auch das Problem, denn die wirtschaftlichen Folgen für Deutschland wären extrem, wenn es tatsächlich zu einem Ausbruch der ASP in Deutschland käme.
Im Inland würde der Markt für Schweinefleisch arg einbrechen, da in dem Moment wo der Begriff "Seuche" und "Pest" fällt sofort Angst in den Köpfen der Bevölkerung herrscht, einfach da der Unterschied zwischen KSP und ASP nicht bekannt ist.
Aber es gäbe zudem auch Exportbeschränkungen, was Deutschland stark treffen würde, da ein großer Teil des produzierten Schweinefleisches ins Ausland geht.


Ob die Keulung in bestimmten Sperrbezirken rund um betroffene Betriebe tatsächlich zur Verminderung der Ausbreitung der Tierseuche führt ist ja seuchenunabhängig umstritten. Da gibt es ja bei jeder Seuche immer wieder Forderungen, dass eine ausreichende Bestandsabschirmung ausreichend wäre.


Ich finde es wichtig aktuell darauf zu achten, dass getan wird, was getan werden kann, um einen Ausbruch der ASP in D zu verhindern.
Sprich keine Einfuhr von Fleischprodukten aus betroffenen Ländern, kein Verfüttern potentiell risikobehafteter Lebensmittel an Schweinebestände, gute Bestandsabschirmung um vor Infektionen von Außen zu schützen und die Tiere gut beobachten, um bei Verdacht sofort Maßnahmen ergreifen zu können (sowohl bei domestizierten Schweinebeständen, als auch bei Krankheitssymptomen bei Wildschweinen).



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Re: Afrikanische Schweinepest

Beitrag von Murx Pickwick » Di 26. Mär 2019, 22:12

Die afrikanische Schweinepest wird über zwei Hauptwege übertragen:
1. Die Lederzecken (Argasidae) sind natürliche Vektoren der ASP (afrikanischen Schweinepest). Nun gibt es jedoch in Mitteleuropa keine Lederzecken, der Winter ist ihnen zu kalt, sie erfrieren bei Minusgraden. Einzig Sardinien hat da ein Problem - hier ist die ASP durch infizierte Schweinefleischprodukte importiert worden, welche von den freilaufenden Hausschweinen und Wildschweinen gefressen wurden. Auch, wenn inzwischen kein Schwein in Griechenland mehr an Essensreste rankommt, die Lederzecke sorgt dafür, daß immer wieder Wildschweine und Hausschweine infiziert werden.
2. Schweineprodukte sind der Hauptübertragungsweg in Mitteleuropa. Dabei kann man nachweisen, daß sich die ASP hauptsächlich an den Autobahnen ausbreitet. Werden die Autobahnen mit Wildzäunen gesichert, so daß Wildschweine nicht mehr auf die Autobahnraststätten kommen und weggeschmissene Salamiwurststullen verspeisen können, verschwindet die ASP wieder und taucht wieder auf, sobald der Zaun löchrig wird und nicht gestopft wird.
Die Ausbreitung und das wieder verschwinden der Schweinepest kann man sehr schön im Filmchen auf der rechten Seite dieser fli-Seite bestaunen:
[url=https://www.fli.de/de/aktuelles/tierseuchengeschehen/afrikanische-schweinepest/karten-zur-afrikanischen-schweinepest/?sword_list%5b0%5d=afrikanische&sword_list%5b1%5d=schweinepest]FLI: ASP-Ausbreitung seit 2007[/url]
Dieser Übertragungsweg hat es in sich, denn je mehr die osteuropäischen Staaten versuchen, das Thema ASP einzudämmen, desto mehr tun sie dafür, daß sie sich ausbreitet.
Der Hintergrund: Wenn ASP in einem Schweinestall, und sei er noch so klein, ausbricht, werden alle Schweine gekeult und verbrannt. Eine Entschädigung gibt es nicht oder nur sehr gering. Für die Schweinehalter bedeutet dies den Ruin. Also werden alle kränklichen Schweine vorzeitig geschlachtet, das Fleisch in der eigenen Familie verbraucht und alle verräterischen Abfälle im Wald entsorgt, wo sie von Wildschweinen verspeist werden. War das betroffene Schwein an ASP erkrankt, bedeutet dies, daß alle Wildschweine, die von diesen infizierten Abfällen futtern, nun auch erkranken.
In Deutschland ist es immer noch üblich, erlegte Wildschweine an Ort und Stelle auszuweiden - die Innereien und das Gekröse bleiben dann einfach liegen ... und wenn der Wolf oder der Fuchs nicht schneller sind, wie die Wildschweine, werden die Innereien und das Gekröse von Wildschweinen gefressen. Sollte das erlegte Wildschwein infiziert gewesen sein, selbst wenn es nicht erkrankt ist, erkranken alle Schweine, die von den Innereien futtern. Das ist umso bedenklicher, da ja nun panikartig die Jäger dazu verdonnert werden, noch viel mehr Wildschweine zu erlegen, wie bisher.

Es gibt jedoch noch andere Übertragungswege:
3. Übertragung über Blut: Wenn ein infiziertes Wildschwein angeschossen wird und entkommt, stellt es eine Gefahr für die gesamte Rotte dar, da auch Wildschweine sich gegenseitig belecken - und Wunden auslecken.
4. Übertragung über Fahrzeuge und Kleidung: Wenn ein schweinehaltender Jäger ein infiziertes Schwein erledigt und nicht, wie empfohlen, die Kleidung auswechselt und so in seinen Schweinestall geht, kann er die ASP auf seine Schweine übertragen. Das passiert vermutlich nicht mit Weideschweinen, sondern nur mit immungeschwächten Stallschweinen (es gibt noch keine Untersuchungen dazu, aber daß sowenig Hausschweine in Sardinien angesteckt werden, trotz Lederzecke, spricht sehr dafür).
5. Übertragung durch importierte Futtermittel: In vielen Staaten, wo Soja als Schweinefutter gekauft wird, ist ASP verbreitet. Die Schweine meiden jedoch keine Sojafelder und die Hygiene beim Anlanden und Starten von Frachtschiffen entspricht nicht dem europäischen Standard. So kann es leicht passieren, daß durch Sojaimporte (oder andere Futtermittel aus diesen Gegenden) auch die ASP eingeführt wird. Das könnte nun in Belgien/Luxemburg passiert sein, wo die Schweinepest bei Wild- und Hausschweinen ausbrach. Für mich grenzt es ein Wunder, daß es bislang noch keinen deutschen Maststall erwischt hat.

Die ASP ist so gefährlich für Schweinemäster, weil bricht sie in einer Massenschweinehaltung aus, dann sterben die infizierten Tiere, bevor sie als infiziert erkannt werden. Die Leidensgenossen im gleichen Stall futtern nun die toten Artgenossen an - und bekommen nun ihrerseits die ASP. So kann sich die ASP innerhalb weniger Tage im gesamten Massenhaltungsstall ausbreiten, die Todesraten liegen bei über 97%.
Sollte durch Einzelhaltung und genügend Abstand zum nächsten Masttier nur ein oder wenige Tiere erkranken, macht das für den Riesenschweinestallbesitzer keinen Unterschied, denn sobald ASP festgestellt wird, werden alle Tiere ausnahmslos gekeult.
In Weideschweinenhaltungen verbreitet sich die ASP so gut wie gar nicht, da kranke Tiere rechtzeitig untersucht und isoliert werden und der Eintrag über infiziertes Futter so gut wie ausgeschlossen ist, da nur hofeigenes Futter verfüttert wird - nutzt aber den Schweinehaltern herzlich wenig, denn wenn die benachbarte Massenschweinehaltung im 30km Umkreis auch nur einen nachgewiesenen ASP-Fall hat, werden auch die Weideschweine gekeult, selbst wenn sie absolut gesund sind. Für Weideschweinehalter ist es der Ruin, da die Entschädigungssummen nicht im Ansatz den Verlust aufwiegen können.

Übrigens war die ASP sogar schon viel dichter an Deutschland dran - denn in den ich glaub 80er Jahren gab es in den Niederlanden etliche Fälle (ich müßte nachschauen, wann das war). Damals hatte man einfach rechtzeitig reagiert und die ASP war so schnell Geschichte, wie sie gekommen war. Die ganzen heutigen Hygienebedingungen in den großen Ställen einschließlich des Rein-Raus-Prinzips gehen auf die damaligen ASP-Fälle in den Niederlanden und in Frankreich zurück.

Wer ziemlich raus ist aus der Übertragungsgeschichte, sind die Wildschweine selbst ... es ist bislang noch kein Fall nachgewiesen worden, wo tatsächlich ein Hausschwein durch ein Wildschwein angesteckt wurde.
Dennoch werden nun in Deutschland vermehrt Wildschweine gejagt - es gibt staatlich verordnete Abschußprämien und nahe der Grenze zu Polen sogar Strafen an die Jäger, wenn sie zuwenig Wildschweine jagen. Dies geht nun auf den Bauernverband zurück - denn, Wildschweine sind schon seit langem eine enorme Plage in Maisfeldern geworden - je mehr Mais jedoch angebaut wird, desto idealer wird die Nahrungsversorgung und die Verstecke für die Wildschweine. In intensiven Maisanbaugebieten bekommen die Wildschweine inzwischen drei Würfe im Jahr und bekommen ihre Frischlinge auch im Winter hoch - dort, wo wenig oder kein Mais angebaut wird, kommt nur der Frühjahrswurf hoch und selbst wenn im Spätherbst noch Frischlinge geboren werden, verhungern und erfrieren sie im Winter.
Nun machen Wildschweine in den Feldern einen enormen Schaden! Also will der deutsche Bauernverband schon seit langer Zeit, daß Wildschweine durch Jäger wieder dezimiert werden. Die Jäger haben sich bislang geweigert, die Regierung hielt sich da raus. Nun aber, mit der ASP, hat der Deutsche Bauernverband ein starkes Argument, die Regierung in Zugzwang zu bringen - so daß unsere Regierung wiederum Jäger dazu anhält, doch bitteschön Wildschweine zu jagen, bis nix mehr überbleibt ...
Leider haben jedoch der deutsche Bauernverband und die deutsche Regierung die Rechnung ohne Wildschwein gemacht - denn Wildschweine sind ja nicht blöd, je mehr sie gejagt werden, desto mehr Energie setzen sie ein, nicht erwischt zu werden. Sie studieren die Jagdtechniken der Jäger und stellen sich drauf ein.
Je mehr gejagt wird, desto weniger Wildschweine können letztendlich geschossen werden ... Mais nicht gerettet, Probleme verschärft - was will man mehr :D



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